{"id":72561,"date":"2014-09-18T14:27:21","date_gmt":"2014-09-18T12:27:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iemj.org\/les-traditions-musicales-juives-en-france\/"},"modified":"2021-11-25T12:15:23","modified_gmt":"2021-11-25T11:15:23","slug":"les-traditions-musicales-juives-en-france","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iemj.org\/de\/les-traditions-musicales-juives-en-france\/","title":{"rendered":"DIE J\u00dcDISCHEN MUSIKTRADITIONEN IN FRANKREICH"},"content":{"rendered":"<p>Eine j\u00fcdische Erz\u00e4hlung besagt: Diskutieren zwei Juden, kommen dabei mindestens drei verschiedene Meinungen heraus. Dasselbe l\u00e4sst sich auch \u00fcber die \u201ej\u00fcdischen Musiktraditionen\u201c sagen, die Formel wird im Plural konjugiert, denn Vielf\u00e4ltigkeit und Vielfalt sind die Sch\u00fcsselw\u00f6rter dieses Universums. Auf der Welt existieren rund einhundert j\u00fcdische Musiktraditionen.<\/p>\n<p>Allein in Frankeich gibt es 20 verschiedene Musiktraditionen. Es handelt sich dabei um die 3 gro\u00dfen j\u00fcdischen Familien, die heute auf franz\u00f6sischem Boden leben:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Sephardim (welche zwischen 1492 und 1497 von der Iberischen Halbinsel vertrieben wurden)<\/li>\n<li>Die Aschkenasim (welche aus Osteuropa und aus Elsass-Lothringen stammen)<\/li>\n<li>Die Juden aus Nordafrika (bei weitem die kleinste Gruppe). Letztere z\u00e4hlen sich, oft zu Unrecht, zu den Sephardim.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die franz\u00f6sische Gemeinschaft umfasst an die 600000 Mitglieder. Dennoch ist sie alles andere als homogen; jede dieser drei Gruppen, setzt sich aus einer Vielzahl von Untergruppen zusammen, mit unterschiedlichster Herk\u00fcnfte sowie einer jeweils eigenen musikalischen Tradition.<\/p>\n<p>Dieses Mosaik von Gemeinschaften hat eine musikalische Praxis hervorgebracht, welche in einen liturgischen oder kommunalen Kontext eingebettet ist.<\/p>\n<p>Die liturgische Musik stellt die Grundlage der j\u00fcdischen Musikpraxis dar. Der Gesang ist in der Synagoge und zu Hause allgegenw\u00e4rtig und bestimmt das Leben der Gl\u00e4ubigen. Ein religi\u00f6ser Jude geht dreimal am Tag in die Synagoge, um die vom Vater durch die m\u00fcndliche Tradition erlernten Melodien vorzutragen. J\u00fcdische Feiertage sind, je nach ihrer Bedeutung und Wichtigkeit innerhalb des j\u00fcdischen Kalenders, musikalisch mehr oder weniger stark musikalisch ausgeschm\u00fcckt.<\/p>\n<p>Seit dem Fall des Tempels (70 n. Chr.) sind Instrumente (mit Ausnahme des Schofar, eines Widderhorns, welches zum Neujahrsfest und Jom Kippur geblasen wird) in der Synagoge prinzipiell verboten. Dennoch wird in aschkenasischen Gemeinschaften, manchmal \u2013 seit der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts \u2013 die Orgel zur Gesangsbegleitung eingesetzt, jedoch au\u00dferhalb der Verbotszeiten von Sabbat und den gro\u00dfen Festen.<\/p>\n<p>Die Akteure und Tr\u00e4ger dieser musikalischen Tradition sind: der Kantor (<em>Hazzan<\/em>), der Rabbiner und die Gl\u00e4ubigen, welche sich aktiv am Gottesdienst beteiligen, da der Gesang oft eine\u00a0 antwortende Form, zwischen Kantor und Gemeinschaftsmitglieder, annimmt. Unter den Gl\u00e4ubigen, ist die Bedeutung des \u201eBa\u00b0ale massore\u201c (wortw\u00f6rtlich: H\u00fcter der Tradition), zu erw\u00e4hnen. Es handelt sich dabei um einen Gelehrten, der die Tradition auswendig kennt und der auf die Einhaltung der Riten und Melodien, welche in seiner Synagoge gesungen werden, achtet. Es ist anzumerken, dass diese Traditionen, welche urspr\u00fcnglich vor allem auf der m\u00fcndlichen \u00dcberlieferung beruhten, seit der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts von einer schriftlichen \u00dcberlieferung begleitet werden. Bei dieser schriftlichen \u00dcberlieferung handelt es sich entweder um Abschriften bestehender Gebete oder aus Melodien, welche eigens f\u00fcr die verschiedenen liturgischen Anl\u00e4sse des j\u00fcdischen Jahres geschaffen wurden.<\/p>\n<p>Jede Synagoge besitzt ihren eigenen musikalischen Ritus. Dieser h\u00e4ngt vom Standort der Synagoge, der Aus\u00fcbung alter Traditionen und der Herkunft der Mehrheit der Gl\u00e4ubigen ab.\u00a0 So werden in einer homogenen Gemeinschaft, welche ausschlie\u00dflich aus tunesischen Juden besteht, die Gebete im tunesischen Ritus gesungen. In der Gro\u00dfen Synagoge von Paris, ist der Ritus allgemein aschkenasisch, doch die Melodien stammen dabei meist aus der konsistorialen Zeit\u2026 und sind damit weit entfernt von anderen Riten, wie etwa dem polnischen oder dem russischen Ritus. Einige Gemeinschaften \u2013 vor allem in St\u00e4dten mit einer geringen j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung \u2013 vereinen Gl\u00e4ubige mit sehr unterschiedlichen Herkunftsorten. Aus dieser Mischung von verschiedenen Melodien und Traditionen (je nach Einfluss und St\u00e4rke der beteiligten Gruppen), entsteht eine \u201egemischte\u201c Tradition, welche dann an die n\u00e4chste Generation weitergegeben wird.<\/p>\n<p>Es existiert &#8211; parallel zu dieser liturgischen Praxis \u2013 eine gemeinschaftliche musikalische Praxis. Diese beansprucht die j\u00fcdische Identit\u00e4t als Grundlage eines musikalischen Bewusstseins. So wird osteurop\u00e4ische (jiddische, chassidische), orientalische, jud\u00e4o-spanische Musik \u2013 welche einst im allt\u00e4glichen Leben gesungen wurde \u2013 verbunden, mit einer Diasporakultur, welche oft verschwundenen ist und die man versucht, wiederzubeleben. Praktiziert wird das in der Regel in Gemeindezentren, wie Fests\u00e4len, Konzerts\u00e4len oder auch in Theatercaf\u00e9. Dabei ist der Gesang das vorherrschende Element, doch auch der Tanz, welcher die chassidische und israelische Folklore perpetuiert \u2013 spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Zur Begleitung der S\u00e4nger und T\u00e4nzer werden h\u00e4ufig Instrumente, wie Geige, Klarinette, Akkordeon oder Gitarre eingesetzt.<\/p>\n<p>Einst voll in diese Traditionen eingebunden, sind die heutigen Juden nur noch Teilnehmer, au\u00dfenstehende Zuschauer einer Kultur, einer Folklore und einer imagin\u00e4ren Welt, welche sie oft nur durch solche Auff\u00fchrungen kennen und die sie als integralen Bestandteil ihrer Wurzeln und ihrer j\u00fcdischen Identit\u00e4t pflegen. So lassen die Aschkenasim die Ges\u00e4nge der jiddischen Folklore wiederaufleben. Die Chassidim tanzen und bringen ihre Freude, zu Kl\u00e4ngen von Orchestern, zum Ausdruck, welche an die alten Instrumentalensembles Osteuropas (Klezmerim) erinnern. Auf \u00e4hnliche Weise, erz\u00e4hlen die alten jud\u00e4o-spanischen Romanzen und Wiegenlieder zu Gitarrenkl\u00e4ngen, die Geschichte des K\u00f6nigreichs von Salomon. Dennoch sind die verschiedenen Interpreten dieser Musik, oft nicht einer einzigen Tradition verschrieben. Sie z\u00f6gern nicht, sich leicht austauschbare Repertoires anzueignen, indem sie jiddische Lieder und jud\u00e4o-spanische Musik miteinander verbinden. Sie sch\u00f6pfen so aus einem enormen musikalischen Schatz, welcher auf den N\u00f6ten des j\u00fcdischen Volkes begr\u00fcndet ist und schaffen somit eine Art mythische Folklore.<\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten sind popul\u00e4re israelische Lieder und T\u00e4nze (wie der <em>Horah,<\/em> einem aus Osteuropa stammenden Tanz), Teil des Repertoires der j\u00fcdischen Musiktraditionen in Frankreich geworden. Diese Musik mit volkst\u00fcmlichen Charakter, schlie\u00dft alle Teilnehmer mit ein und wird in der Regel in Jugendbewegungen oder bei gro\u00dfen Familienfesten, wie Hochzeiten, Feste der religi\u00f6sen M\u00fcndigkeit (<em>Bar Mitzwa<\/em>) oder auch bei Beschneidungen, gespielt.<\/p>\n<p>Diese Kurz\u00fcbersicht offenbart die Vielfalt und Lebendigkeit der j\u00fcdischen Musiktraditionen in Frankreich. So gibt es zwei Arten der musikalischen Praktik innerhalb der Gemeinschaft. Die erste Praktik ist liturgischer Natur und dr\u00fcckt das Vertrauen der Gl\u00e4ubigen in Gott aus. Die zweite Praktik ist gemeinschaftlicher Natur und st\u00e4rkt die Bindung zwischen den Juden, durch eine f\u00fcr diesen Anlass \u201eneu komponierte\u201c Folklore, einem Ort der Begegnung der Andersartigkeit des anderen.<\/p>\n<p>Diese beide Praktiken sind komplement\u00e4r und k\u00f6nnen nur gemeinsam bestehen. Wie zwei Teile eines Paars begehren sie sich, rei\u00dfen sich in St\u00fccke, vers\u00f6hnen sich wieder und setzen die Verwirklichung ihrer tiefen Authentizit\u00e4t fort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine j\u00fcdische Erz\u00e4hlung besagt: Diskutieren zwei Juden, kommen dabei mindestens drei verschiedene Meinungen heraus. 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