{"id":73104,"date":"2018-02-21T17:52:18","date_gmt":"2018-02-21T16:52:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iemj.org\/le-pourim-shpil-2\/"},"modified":"2025-10-06T14:36:48","modified_gmt":"2025-10-06T12:36:48","slug":"le-pourim-shpil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iemj.org\/de\/le-pourim-shpil-2\/","title":{"rendered":"DAS POURIM-SHPIL"},"content":{"rendered":"<p>Das <em>Purim Shpil<\/em> \u2013 oder auch \u201ePurimspiel\u201c \u2013 ist ein satirisches St\u00fcck, welches Theater, Musik, Tanz, Gesang, Pantomime und Verkleidungen miteinander vermischt. Der Brauch steht in enger Verbindung mit dem Karnevalsfest Purim und der Geschichte von K\u00f6nigin Esther und ihrem Onkel Mordechai, welche das Vorhaben des b\u00f6sen Haman, dem Minister des persischen K\u00f6nigs Ahasveros, der das j\u00fcdische Volk ausl\u00f6schen wollte, vereitelten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die im Buch Ester, dem letzten Buch der hebr\u00e4ischen Bibel, geschilderten Ereignisse gehen auf etwa das f\u00fcnfte Jahrhundert v. Chr. zur\u00fcck. Bereits im f\u00fcnften Jahrhundert n. Chr. war es \u00fcblich, feierliche Prozessionen abzuhalten, bei denen ein Abbild von Haman geh\u00e4ngt oder verbrannt wurde. Manche sehen in diesem Brauch, den Ursprung der Purimspiele, auf deren Grundlage, sich im 18. Jahrhundert das jiddische Theater entwickeln sollte.<\/p>\n<p><strong>Jean Baumgarten<\/strong> hielt im Rahmen der Pr\u00e4sentation des Projekts Pourim Shpil Unesco im Rathaus von Paris, am 12. Dezember 2013 eine Rede und betonte darin den besonderen Zauber dieses Festes:<\/p>\n<p><em>\u201e[\u2026] dieses Zeit des Exzesses, der Rebellion, rhythmisiert von T\u00e4nzen, Liedern, durchsetzt von Ess- und Trinkgelagen. Keine Gesellschaft vermag es, diesem Wechsel von Heiligem und Profanem, dieser Gratwanderung zwischen Exzess, Sakrileg und Z\u00fcgellosigkeit einerseits und Respekt vor dem Gesetz, gesellschaftliche Normen und Verbote andererseits, zu entkommen.<\/em><\/p>\n<p><em>In der j\u00fcdischen Gesellschaft, entspricht diese Festzeit Purim [\u2026]. An diesem Festtag wird die Rettung der Juden durch Mordechai und Esther gefeiert, welchen es gelang, das Vorhaben des b\u00f6sen Haman, dem Minister des persischen K\u00f6nigs Ahasveros, welcher das j\u00fcdische Volk ausl\u00f6schen wollte, zu vereiteln. Die Megillat Esther erz\u00e4hlt von diesem diabolischen Komplott und seinem gl\u00fccklichen Ausgang. [\u2026] Der Tag ist auch, von einer Reihe von festlichen Momenten gepr\u00e4gt. Man trinkt bis man, so sagt der Talmud, nicht mehr vermag zwischen \u201everflucht sei Haman\u201c und \u201egesegnet sei Mordechai\u201c zu unterscheiden. Man lacht. Man singt. Man tanzt. Das Studium wird ausgesetzt. Geschenke werden ausgetauscht, Kuchen wird angeboten. N\u00e4chstenliebe wird gelebt, vor allem durch Spenden f\u00fcr die Armen. Man speist, besonders bei einem Festessen. Man verkleidet sich. Das ist au\u00dferdem der einzige Tag des hebr\u00e4ischen Kalenders, an welchem es erlaubt ist, das Geschlecht zu wechseln. Deshalb leihen sich M\u00e4nner die Kleidung ihrer M\u00fctter, Schwestern und Ehefrauen. [\u2026] <strong>Das Purim-Shpil ist eines dieser transgressiven Rituale.<\/strong> Es ist ein Monolog, ein Sketch, ein Theaterst\u00fcck, welches auf Jiddisch im privaten Bereich, w\u00e4hrend des Purimessen oder im Gemeinschaftsraum aufgef\u00fchrt wird. [\u2026]<\/em><\/p>\n<p><em>Die Tradition des Pourim-Shpil hat sich in Europa, vom sp\u00e4ten Mittelalter bis heute entwickelt und zeugt von seiner zentralen Rolle, in der aschkenasischen Kultur. Das fr\u00fchste Zeugnis in jiddischer Sprache findet sich im Jahr 1555 in Italien wieder. Das soll nicht hei\u00dfen, dass es das Pourim-Shpil nicht fr\u00fcher schon gegeben hat. [\u2026]<\/em><\/p>\n<p><em>Diese burlesken St\u00fccke, welche mit Purim in Verbindung stehen, vermischen Gesang, Pantomime und Tanz und wurden zur Matrix des j\u00fcdischen Theaters. Dabei spielte die jiddische Sprache aufgrund ihres Einfallsreichtums, ihrer Kreativit\u00e4t, ihrer langen literarischen Tradition und ihres reichen Repertoires an Gedichten und Liedern, eine bedeutende Rolle bei der Entstehung der Purimspiele. [\u2026]\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<h2><strong>Einige Purim-Shpil\u2026<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Die Megila fun Itsik Manger<\/strong><br \/>Bei der <em>Meguilla von Itsik Manger<\/em> handelt es sich sicherlich um die bestbekannte Adaptation der Esther Schriftrolle. 1936 ver\u00f6ffentlichte <strong>Itsik Manger<\/strong> seine Megile-lider (Lieder \u00fcber die Schriftrolle Esther), etwa drei\u00dfig imaginierte und poetisierte kleine Szenen, welche die Geschichte von Purim erz\u00e4hlen, dieser dabei jedoch auch humoristische, lustige und sogar provokative <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/p_4951_vig.jpg\" alt=\"p_4951_vig.jpg\" align=\"right\" data-description=\"&lt;strong&gt;Partition \u00e9dit\u00e9e par le Centre Medem Arbeter Ring&lt;\/strong&gt;\" \/>Wendungen hinzuf\u00fcgen, welche traditionellerweise in einem Pourim-Shpil zu finden sind. In seiner Einleitung schrieb Isik Manguer 1936: \u201e [\u2026] Gewiss, die Geschichte wird hier etwas anders erz\u00e4hlt. So wurden etwa die offiziellen Erz\u00e4hler der Schriftrolle, zum Schweigen gebracht und was noch viel wichtiger ist, es wurde die Figur des Schneiderjungen Couturosso hinzugef\u00fcgt. Dieser f\u00fchrt, trotz seiner vergeblichen Liebe f\u00fcr K\u00f6nigin Esther und seinem Mordversuch am K\u00f6nig Ahasveros, dennoch zahlreiche wichtige Geschehnisse herbei. [\u2026] Die historische Wahrheit wurde so auf jeden Fall verf\u00e4lscht! Der Leser wird protestieren und schlie\u00dflich Recht bekommen. Doch sie, die Chronisten, haben den L\u00f6wenzahn schon viel zu lange von der Wurzel her gegessen und ihren Hintern den Sternen entgegen gereckt. Und Sie k\u00f6nnen noch so schreien, Sie werden sie doch nicht st\u00f6ren, bevor der Messias zu kommen vermag.\u201c<\/p>\n<p>Doch erst fast 30 Jahre sp\u00e4ter wurden diese <em>Megile-lieder<\/em> zu einem echten Pourim-Shpil mit verkleideten Schauspielern, welche vor einem staunenden Publikum spielten und sangen. Unter der Regie von <strong>Shmuel Bunim<\/strong> und mit der Musik von <strong>Dov Seltzer<\/strong> wurde dieses St\u00fcck zun\u00e4chst in einem Theater im alten Jaffa aufgef\u00fchrt und tourte dann durch die Vereinigten Staaten. Anschlie\u00dfend wurde das St\u00fcck von verschiedenen Theaterkompanien in Strasbourg, Dresden, Tel Aviv, Montreal, New York, auf Jiddisch, Hebr\u00e4isch, Jiddisch und Hebr\u00e4isch oder Jiddisch und Franz\u00f6sisch aufgef\u00fchrt\u2026<\/p>\n<div style=\"width: 480px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-73104-1\" width=\"480\" height=\"360\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/itsik2.mp4?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/itsik2.mp4\">https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/itsik2.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<p><span style=\"color: #003366;\">Schauen Sie sich im Folgenden einen Auszug aus dem St\u00fcck Die Meguilla von Itsik an, welches unter der Regie von Rafael Goldwaser auf Jiddisch und Franz\u00f6sisch, im April 2015, im Centre Medem aufgef\u00fchrt wurde. (Gefilmt von Bernard Flam)<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/watch\/?v=2017385601692404\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schauen Sie sich eine Aufnahme von der Meguilla von Itsik Manger in ihrer Originalfassung auf Hebr\u00e4isch und Jiddisch aus dem Jahr 1976 an<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_18478\" aria-describedby=\"caption-attachment-18478\" style=\"width: 354px\" class=\"wp-caption alignright\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18478\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/troim_teater_homens-300x207.jpg\" alt=\"troim_teater_homens.jpg\" width=\"354\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/troim_teater_homens-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/troim_teater_homens.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18478\" class=\"wp-caption-text\"><em>Das Tro<\/em><em>\u00ef<\/em><em>m Teater \u2013 jiddische Theatertruppe des Maison de la Culture Yiddish, bei der Auff\u00fchrung von Homens Mapole, unter der Regie von Charlotte Messer, 2015<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Homens Mapole<\/strong><br \/><em>Die Niederlage<\/em> <em>des Haman<\/em> ist ein St\u00fcck \u201ewelches 1940 von <strong>Ha<\/strong><strong>\u00efm Slov\u00e8s<\/strong> (1905-1988) geschrieben wurde. Nach der Befreiung stark ver\u00e4ndert, wurde das St\u00fcck von den besten K\u00fcnstlern des jiddischen Theaters der unmittelbaren Nachkriegszeit inszeniert, insbesondere von <strong>Oscar Fessler<\/strong> und <strong>Zygmunt Turkow<\/strong>. Zwischen 1946 und 1949 wurde es etliche Male, in Paris, New York, Los Angeles, Breslau, Rio de Janeiro und Buenos Aires aufgef\u00fchrt.\u201c <em>(<a href=\"http:\/\/www.yiddishteater.org\/eng\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">yiddishteater.org<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>Wie es auch bei der Meguilla von Itsik Manger der Fall ist, tauchen auch in Sloves St\u00fcck neue Figuren auf und dar\u00fcber hinaus werden die klassischen Figuren ver\u00e4ndert. Mordechai wird so zum Heiratsvermittler, Ehestifter und ist noch dazu ein alter Freund einer der Palastwachen. Ein Loyalist, \u201eMr Loyal\u201c, ist auch dabei, um zum Publikum zu sprechen und die Figuren vorzustellen. Er spricht sogar bei K\u00f6nig Ahasveros vor und versucht diesen von einer schlechten Entscheidung abzuhalten\u2026<\/p>\n<p>Dieses Pourim-Shpil verf\u00fcgt \u00fcber einen besonderen Charakter. W\u00e4hrend des zweiten Weltkriegs geschrieben und in der unmittelbaren Nachkriegszeit aufgef\u00fchrt, ist der Vergleich von Haman mit Hitler offensichtlich. Auch wenn das Ende das St\u00fcck, mit einem absurden Volkstanz endet und sich damit eines Pourim-Shpil f\u00fcr w\u00fcrdig erweist, vers\u00e4umt es doch nicht, seine Moral zu verk\u00fcnden:<\/p>\n<p>So ein Ende wird erleiden<img decoding=\"async\" class=\"wp-image-18480  alignright\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/une_telle_fin_arrivera4-e1638356152792.jpg\" alt=\"une_telle_fin_arrivera4.jpg\" width=\"400\" height=\"288\" align=\"middle\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/une_telle_fin_arrivera4-e1638356152792.jpg 678w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/une_telle_fin_arrivera4-e1638356152792-300x215.jpg 300w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/une_telle_fin_arrivera4-e1638356152792-600x431.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><br \/>Ein jeder Haman dieser Welt<br \/>Tralala und Tralalala <br \/>Ein jeder Haman dieser Welt!<br \/>Mag es auch traurig sein, freut euch dennoch<br \/>H\u00f6rt zu Br\u00fcder, h\u00f6rt zu Br\u00fcder<br \/>Einen jeden Haman dieser Welt, vergraben wir <br \/>Sechs Fu\u00df tief im Erdboden<br \/>Tralala und Tralalala<br \/>Ein jeder Haman dieser Welt, sechs Fu\u00df tief im Erdboden!<\/p>\n<p><strong>Pourim iz a shpil aza<\/strong><br \/><em>Purim ist so ein Spiel<\/em> ist ein musikalisches Gedicht, verfasst auf Jiddisch, geschrieben von <strong>Mirl Hofman<\/strong> (der das Pseudonym Gabriel Tolies verwendete), welches 1968 in New York ver\u00f6ffentlicht wurde und dessen Musik von <strong>Malke Gotlib<\/strong> (der Schwester von Chane Mlotek, einer bekannten Komponistin jiddischer Lieder) komponiert wurde. Diese Geschichte f\u00fcr Kinder wurde in einer einfachen Sprache verfasst, um so den Sinn des Gedichts f\u00fcr eben diese leichter verst\u00e4ndlich zu machen. Als beispielsweise Haman sieht, dass Mordechai zu einem h\u00e4ufigen Gast im Palast des K\u00f6nigs wird, warnt dieser den K\u00f6nig schnell, vor dem \u201eHokus-Pokus\u201c Mordechais und dass dieser ihn \u201ein einen Kuckuck verwandeln\u201c wolle. Dieses sch\u00f6ne Buch wurde von Tsirl Valetski illustriert und enth\u00e4lt den jiddischen Text, die Melodien, sowie ein kleines Glossar mit einigen jiddischen Begriffen und deren Bedeutung.<img decoding=\"async\" class=\" alignright size-full wp-image-18482\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/purim_iz_a_shpil.jpg\" alt=\"purim_iz_a_shpil.jpg\" width=\"1333\" height=\"966\" align=\"right\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/purim_iz_a_shpil.jpg 1333w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/purim_iz_a_shpil-300x217.jpg 300w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/purim_iz_a_shpil-1024x742.jpg 1024w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/purim_iz_a_shpil-768x557.jpg 768w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/purim_iz_a_shpil-600x435.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1333px) 100vw, 1333px\" \/><\/p>\n<p>Das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.yiddishbookcenter.org\/collections\/yiddish-books\/spb-nybc201360\/purim-iz-a-shpil-aza\">gesamte Buch ist auf der Internetseite des Yiddish Book Center<\/a>\u00a0verf\u00fcgbar<\/p>\n<p><strong>Esther de Carpentras<\/strong><br \/><em>Esther de Carpentras<\/em>\u00a0ist eine vom Pourim-Shpil inspirierte Opera buffa in zwei Akten, deren Begleitheft von <strong>Armand Lunel<\/strong> geschrieben und deren Musik von <strong>Darius Milhaud<\/strong> komponiert wurde. Die Oper wurde am 1. Februar 1938 in der Op\u00e9ra Comique von Paris uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft  wp-image-18484\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/pages_de_p_4968_400.jpg\" alt=\"pages_de_p_4968_400.jpg\" width=\"350\" height=\"522\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/pages_de_p_4968_400.jpg 400w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/pages_de_p_4968_400-201x300.jpg 201w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<p>Armand Lunel schrieb am 30. Januar 1938 in der gro\u00dfen unabh\u00e4ngigen Tageszeitung Ce Soir:<\/p>\n<p><em>\u201eBeim Schreiben von Esther de Carpentras haben wir uns von einem traditionellen Stoff inspirieren lassen, der auf das Mittelalter zur\u00fcck geht. Jedes Jahr im M\u00e4rz feiern die Juden in der Synagoge das Purimfest, welches an das wundersame Eingreifen von K\u00f6nigin Esther bei K\u00f6nig Ahasveros, zur Befreiung der Israeliten von der Verfolgung durch seinen Minister Haman erinnert, welcher das Datum des Massakers per Los beschlossen hatte. Doch in der Zeit der Ghettos, war Purim ein richtiges Volksfest und sogar eine Art Karneval. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, veranstalteten die Juden von Carpentras zu diesen Anlass Volksauff\u00fchrungen der biblischen Erz\u00e4hlung, welche unter freiem Himmel auf dem Hauptplatz des j\u00fcdischen Viertels stattfanden. Diese St\u00fccken wurden zuerst auf Hebr\u00e4isch geschrieben, dann auf Provenzalisch; man hat sie mit den Mysterienspielen des Mittelalters verglichen, denn der Ton der Posse und k\u00f6stliche Naivit\u00e4ten, verbanden sich hier nat\u00fcrlich mit der religi\u00f6sen Feierlichkeit und bildeten, \u00e4hnlich wie bei den provenzalischen Pastoralen, eine \u00fcberaus geschmackvolle Mischung.<\/em><\/p>\n<p><em>[\u2026] Der erste Akt formt einen Prolog, in welchem drei alte Juden des Ghettos von Carpentras zu sehen sind: Artaban, ein Finanzier, Babacan, der Synagogenw\u00e4rter und Cacan, ein Theaterliebhaber, kommen als Delegation zum st\u00e4dtischen Kardinalbischof, um ihn um Erlaubnis zu bitten, das Drama Esther am n\u00e4chsten Tag auff\u00fchren zu d\u00fcrfen. Im Vorzimmer des Bischofpalastes werden sie von Vaucluse, dem bisch\u00f6flichen Kammerdiener, zun\u00e4chst eher schlecht empfangen. Vaucluse hatte immer schon eine ungew\u00f6hnliche Marotte: n\u00e4mlich die, die Juden des Comtat Venaissin, durch von ihm selbst in seiner Freizeit komponierten Weihnachtsliedern, zu bekehren; [\u2026] Da er (der Kardinalbischof) erst k\u00fcrzlich aus Rom gekommen war, ist er ziemlich \u00fcberrascht, Juden eines solch eigenartigen Typus in Carpentras vorzufinden; [\u2026] Doch nachdem sie gegangen sind, verspricht er sich insgeheim von der Darbietung von der K\u00f6nigin Esther, um es noch besser als Vaucluse zu machen, den Versuch einer Massenbekehrung aller Juden der Stadt zu wagen.\u201c<\/em> Armand Lunel<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignright  wp-image-18486\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/pages_de_p_4968-2_400.jpg\" alt=\"pages_de_p_4968-2_400.jpg\" width=\"396\" height=\"613\" align=\"right\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/pages_de_p_4968-2_400.jpg 400w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/pages_de_p_4968-2_400-194x300.jpg 194w\" sizes=\"(max-width: 396px) 100vw, 396px\" \/><\/p>\n<p>In dieser Beschreibung des ersten Aktes sind alle Codes des Pourim-Shpils zu finden: die Verformung der biblischen Figuren (im zweiten Akt wird Artaban, die Rolle des Ahasverus \u00fcbernehmen und Barbacan die des Mordechai\u2026), diese Technik des \u201eTheaters im Theater\u201c, der leicht schwarze Humor, mit dem Kammerdiener, der in seiner Freizeit Weihnachtslieder komponiert\u2026<\/p>\n<p>Das St\u00fcck geht gl\u00fccklicherweise gut aus, wie Armaud Lunel in seiner Ausf\u00fchrung erkl\u00e4rt: \u201eDas Drama endet mit einem doppelten Chor: Zum einen kommt das Kapitel, um den Bischof zu holen, zum anderen danken die Juden dem Herrn. So kommt alles wieder in Ordnung; denn am Vorabend im Judenviertel von Carpentras unter diesem toleranten s\u00fcdl\u00e4ndischen Himmel, h\u00e4tten die Stimmen des Alten und des Neuen Testaments \u00fcber viele Jahrhunderte hinweg, ohne den geringsten falschen Ton erklingen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Quellen :<\/strong><br \/><em>\u201cL\u2019histoire du Pourim Shpil\u201d, auf der Internetseite des Kollektivs Pourim Shpil, Jean Baumgarten<br \/>\u201cLa Meguilla d\u2019Itsik\u201d, herausgegeben vom Centre-Medem Arbeter Ring, Vorwort von Bernard Vaisbrot<br \/>\u201cHomens Mapole\u201d, auf der Internetseite der jiddischen Theatertruppe Tro\u00efm Teater<br \/>\u201cPurim is a shpil aza\u201d, auf der Internetseite des Kollektivs Pourim Shpil<br \/>\u201cFir kemferins kegn di pesimistn fun yiddish\u201d, Sore-Rokhl Shekhter, Forverts, 9 M\u00e4rz 2012<br \/>\u201cEsther de Carpentras\u201d, auf der Internetseite des Kollektivs Pourim Shpil, Louis Laloy<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.yiddishteater.org\/eng\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Greifen Sie auf die Internetseite von Tro\u00efm Teater zu<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.iemj.org\/de\/la-meguilla-ditsik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erfahren Sie mehr \u00fcber <em>Die Meguilla von Itsik<\/em>, herausgegeben vom Centre Medem Arbeter Ring<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.iemj.org\/le-pourim-shpil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-wplink-edit=\"true\">H\u00f6ren Sie die von Herv\u00e9 Roten pr\u00e4sentierte Radiosendung des IEMJ \u00fcber das Pourim-Shpil, mit Bernard Vaisbrot an<\/a><\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"133\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/AUDIO-PLAYER-1024x133.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-110606\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/AUDIO-PLAYER-1024x133.png 1024w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/AUDIO-PLAYER-300x39.png 300w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/AUDIO-PLAYER-768x100.png 768w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/AUDIO-PLAYER-600x78.png 600w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/AUDIO-PLAYER.png 1210w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/d33-30_308_01.mp3\">Dos lid funem loyfer &#8211; The Megilla of Itzik Manger &#8211; par la famille Burstein<\/a><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Purim Shpil \u2013 oder auch \u201ePurimspiel\u201c \u2013 ist ein satirisches St\u00fcck, welches Theater, Musik, Tanz, Gesang, Pantomime und Verkleidungen miteinander vermischt. 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