{"id":73559,"date":"2019-12-11T10:12:16","date_gmt":"2019-12-11T09:12:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iemj.org\/emile-jonas-1827-1905-de-la-synagogue-portugaise-a-la-garde-imperiale-en-passant-par-loperette\/"},"modified":"2023-11-29T11:54:12","modified_gmt":"2023-11-29T10:54:12","slug":"emile-jonas-1827-1905-de-la-synagogue-portugaise-a-la-garde-imperiale-en-passant-par-loperette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iemj.org\/de\/emile-jonas-1827-1905-de-la-synagogue-portugaise-a-la-garde-imperiale-en-passant-par-loperette\/","title":{"rendered":"EMILE JONAS (1827-1905), AUS DER PORTUGIESISCHEN SYNAGOGE ZUR OPERETTE UND VON DORT, ZUR KAISERLICHEN GARDE"},"content":{"rendered":"<p>Oft nimmt der Ruhm eines Komponisten nach dessen Tod langsam ab, bis er schlie\u00dflich in Vergessenheit ger\u00e4t. Das scheint besonders, wenn auch ungerechtfertigterweise, der Fall bei dem Komponisten <a href=\"https:\/\/www.iemj.org\/de\/jonas-emile-1827-1905\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Emile Jonas<\/a> der Fall gewesen zu sein. Dieser war \u00fcber mehrere Jahrzehnte hinweg, in den Pariser Theatern, neben anderen ber\u00fchmten franz\u00f6sischen wie auch ausl\u00e4ndischen Musikern der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts vertreten. Auch wenn sie heute nicht mehr an den Ruhm der Werke von Jacques Offenbach (1819-1980), dem absoluten und unumstrittenen Meister der Opera buffa, herankommen, sind die Operette von Florimond Ronger (Herv\u00e9) (1825-1892) L\u00e9o Delibes (1836-1891) und in geringerem Ma\u00dfe die von Aristide Hignard (1822-1898) oder Isidore Legouix (1834-1916), sowie einige der nachfolgenden Generation, Edmond Audran (1842-1901), Andr\u00e9 Messager (1853-1929), Charles Lecocq (1832-1918), Louis Varney (1844-1908), Robert Planquette (1848-1903) und Claude Terrasse (1867-1923) immer noch bekannt und werden manchmal noch aufgef\u00fchrt. B\u00fchnenproduktionen der Opern von Emile Jonas finden seltener statt. Es sind auch keine Audio- oder Videoaufnahmen vorhanden. Dennoch w\u00e4re es sein musikalisches Schaffen alle mal wert, aufgef\u00fchrt zu werden, wie im Folgenden bewiesen werden soll.<\/p>\n<p>Emile Jonas wurde am 5. M\u00e4rz 1827 als Sohn einer j\u00fcdischen Familie in Paris geboren. \u00dcber seine Kindheit, seine Eltern, Simon Jonas und Jeannette Pohl und sein Privatleben, ist nur wenig bekannt. Nachweislich wurde er im Jahr 1841, im Altern von gerade einmal 14 Jahren, am Conservatoire National Sup\u00e9rieur de Musique aufgenommen, erhielt dort Klavier- und Harmonieunterricht von F\u00e9lix le Couppey (1811-1887) und wurde in die Kompositionsklasse von Michel Carafa (1787-1872) aufgenommen.<\/p>\n<p>1847 gewann er den ersten Preis des Conservatoire in Harmonie und wurde zum Assistenzprofessor f\u00fcr elementare Musiktheorie ernannt. 1849 erhielt er den prestigetr\u00e4chtigen zweiten Prix de Rome des Institut de France f\u00fcr seine Kantate <em>Antonio<\/em>.\u00a0 Er schloss 1850 sein Studium an der CNSM ab und wurde im folgenden Jahr Organist der Hauptsynagoge des Pariser Konsistoriums. Er wurde auf Empfehlung von Fromental Hal\u00e9vy (1799-1862), dem ber\u00fchmten Komponisten von <em>La Juive<\/em>, angenommen. Zum damaligen Zeitpunkt lag die zentrale Pariser Synagoge, an der einige Jahre zuvor Isaac Offenbach (1779-1850), f\u00fcr die Stelle des Hazzan (Kantor) vorgesprochen hatte und in der seine S\u00f6hne Jacques und Jules als Chorleiter t\u00e4tig waren, dort wo heute die sephardische Synagoge, in der Rue Notre-Dame von Nazareth steht.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-26359\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/theatre_des_bouffes_parisiens_passage_choiseul_redim.jpg\" alt=\"theatre_des_bouffes_parisiens_passage_choiseul_redim.jpg\" width=\"400\" height=\"300\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/theatre_des_bouffes_parisiens_passage_choiseul_redim.jpg 400w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/theatre_des_bouffes_parisiens_passage_choiseul_redim-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Oft nimmt der Ruhm eines Komponisten nach dessen Tod langsam ab, bis er schlie\u00dflich in Vergessenheit ger\u00e4t. Das scheint besonders, wenn auch ungerechtfertigterweise, der Fall bei dem Komponisten Emile Jonas der Fall gewesen zu sein. Dieser war \u00fcber mehrere Jahrzehnte hinweg, in den Pariser Theatern, neben anderen ber\u00fchmten franz\u00f6sischen wie auch ausl\u00e4ndischen Musikern der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts vertreten. Auch wenn sie heute nicht mehr an den Ruhm der Werke von Jacques Offenbach (1819-1980), dem absoluten und unumstrittenen Meister der Opera buffa, herankommen, sind die Operette von Florimond Ronger (Herv\u00e9) (1825-1892) L\u00e9o Delibes (1836-1891) und in geringerem Ma\u00dfe die von Aristide Hignard (1822-1898) oder Isidore Legouix (1834-1916), sowie einige der nachfolgenden Generation, Edmond Audran (1842-1901), Andr\u00e9 Messager (1853-1929), Charles Lecocq (1832-1918), Louis Varney (1844-1908), Robert Planquette (1848-1903) und Claude Terrasse (1867-1923) immer noch bekannt und werden manchmal noch aufgef\u00fchrt. B\u00fchnenproduktionen der Opern von Emile Jonas finden seltener statt. Es sind auch keine Audio- oder Videoaufnahmen vorhanden. Dennoch w\u00e4re es sein musikalisches Schaffen alle mal wert, aufgef\u00fchrt zu werden, wie im Folgenden bewiesen werden soll.<\/p>\n<p>Emile Jonas wurde am 5. M\u00e4rz 1827 als Sohn einer j\u00fcdischen Familie in Paris geboren. \u00dcber seine Kindheit, seine Eltern, Simon Jonas und Jeannette Pohl und sein Privatleben, ist nur wenig bekannt. Nachweislich wurde er im Jahr 1841, im Altern von gerade einmal 14 Jahren, am Conservatoire National Sup\u00e9rieur de Musique aufgenommen, erhielt dort Klavier- und Harmonieunterricht von F\u00e9lix le Couppey (1811-1887) und wurde in die Kompositionsklasse von Michel Carafa (1787-1872) aufgenommen.<\/p>\n<p>1847 gewann er den ersten Preis des Conservatoire in Harmonie und wurde zum Assistenzprofessor f\u00fcr elementare Musiktheorie ernannt. 1849 erhielt er den prestigetr\u00e4chtigen zweiten Prix de Rome des Institut de France f\u00fcr seine Kantate <em>Antonio<\/em>.\u00a0 Er schloss 1850 sein Studium an der CNSM ab und wurde im folgenden Jahr Organist der Hauptsynagoge des Pariser Konsistoriums. Er wurde auf Empfehlung von Fromental Hal\u00e9vy (1799-1862), dem ber\u00fchmten Komponisten von <em>La Juive<\/em>, angenommen. Zum damaligen Zeitpunkt lag die zentrale Pariser Synagoge, an der einige Jahre zuvor Isaac Offenbach (1779-1850), f\u00fcr die Stelle des Hazzan (Kantor) vorgesprochen hatte und in der seine S\u00f6hne Jacques und Jules als Chorleiter t\u00e4tig waren, dort wo heute die sephardische Synagoge, in der Rue Notre-Dame von Nazareth steht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" alignright size-full wp-image-26361\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/la_chatte_blanche_recadre_redim.jpg\" alt=\"la_chatte_blanche_recadre_redim.jpg\" width=\"312\" height=\"400\" align=\"right\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/la_chatte_blanche_recadre_redim.jpg 312w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/la_chatte_blanche_recadre_redim-234x300.jpg 234w\" sizes=\"(max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><\/p>\n<p>Von da an, wurde Emile Jonas Name, mit dem Theater und seinem Mentor und Freund Jacques Offenbach assoziiert. In den folgenden Jahren machte Offenbach ihn mit den besten Librettisten seiner Zeit bekannt und produzierte sechs weitere Werke, die einaktigen Bouffes <em>La Parade<\/em> (1856), <em>Le Roi boit<\/em> (1857), <em>Les Petits Prodiges<\/em> (1857), f\u00fcr welche Offenbach mindestens zwei Nummern beisteuerte, <em>Job et son chien<\/em> (1863), <em>Le manoir des Lar\u00e9nardi\u00e8re<\/em> (1864), <em>Avant la noce<\/em> (1865) und <em>D\u00e9sir\u00e9, sire de Champigny<\/em> (1869). Diese Werke wurden in das Repertoires des Theaters aufgenommen und tourten mit der Theaterkompanie durch Frankreich und Europa. Andere, bedeutsamere Werke von Jonas, wurden in anderen Theatern aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend all dieser Zeit vernachl\u00e4ssigte Emile Jonas auch seine Lehrt\u00e4tigkeit nicht. Im Jahr 1857 wurde er zum Lehrer f\u00fcr Harmonie und Komposition an der CNSM f\u00fcr Milit\u00e4rstudenten ernannt. Kurz darauf wurde er Musikdirektor der kaiserlichen Garde berufen, wo er sehr intensiv t\u00e4tig wurde und zahlreiche M\u00e4rsche, Fanfaren und andere milit\u00e4rische Werke komponierte. Er verwendete dazu vorzugsweise die von Adolphe Sax (1814-1894) erfundenen Instrumente, darunter eine verbesserte Version der Bassklarinette, das Saxhorn, die Saxo-Posaune und seine wohl ber\u00fchmteste Errungenschaft, das Saxofon.<\/p>\n<p>1867 wurde Emile Jonas in das Organisationskomitee der Milit\u00e4rparaden f\u00fcr die unvergessliche Weltausstellung von 1867, welche von Napoleon III. und seiner Frau, Kaiserin Eug\u00e9nie, er\u00f6ffnet wurde. Die S\u00e4ngerin Hortense Schneider besuchte die Ausstellung, in Anlehnung an ihre Rolle in Offenbach Operette <em>La Grande-duchesse de G\u00e9rolstein<\/em> unter dem Titel der \u201eGro\u00dfherzogin von G\u00e9rolstein\u201c. Jonas wurde nicht nur einhellig f\u00fcr seine k\u00fcnstlerischen Beitr\u00e4ge gelobt, sondern auch f\u00fcr sein Engagement und sein Organisationstalent. Er war Mitglied mehrerer Jurys, entwickelte die Regeln f\u00fcr verschiedene Concours und organsierte das Musikfestival der Ausstellung, bei welchem neben Werken von M\u00e9hul, Auber, Gluck, Mendelssohn, Wagner, Rossini und Meyerbeer auch zwei seiner eigenen St\u00fccke, <em>La Victoire<\/em> und <em>Le Diament<\/em>, aufgef\u00fchrt wurden. Im selben Jahr wurde er zum Ritter und sp\u00e4ter dann zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.<\/p>\n<p>Emile Jonas hatte es somit zweifellos zu Anerkennung und Ruhm gebracht. 1856 aufgenommen, war er bis zum Ende des Jahrhunderts, neben Pers\u00f6nlichkeiten wie Gounod, Labiche, Sardou und Alexandre Dumas junior, Mitglied von nicht weniger als sieben Vorst\u00e4nden der franz\u00f6sischen Gesellschaft. Auf einer Lithographie, welche Karikaturen aller bekannten Komponisten seiner Zeit darstellte, wird er in der ersten Reihe, neben Offenbach dargestellt.<\/p>\n<p>Und wie Offenbach, arbeitete auch Emile Jonas ohne Unterlass. Seit 1854 ist er musikalischer Leiter und Chorleiter der portugiesischen Synagoge in Paris, welche 1851 in der Rue Lamartine 23, trotz des Widerstands des Konsistoriums, welches seine Autorit\u00e4t damit in Frage gestellt sah, eingeweiht wurde. Die Mitglieder der Synagoge, welche zumeist aus den Gemeinden von Bordeaux und Bayonne stammten, brachten die Br\u00e4uche und Lieder, welche von ihren Vorfahren \u2013 Nachfahren der aus Spanien und Portugal stammenden <em>Anusim<\/em> (Kryptojuden) \u2013seit dem Mittelalter, bei den Gottesdiensten, praktiziert wurden. <img decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-26363\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/recueil_de_chants_hebraiques_partition_jonas_redim.jpg\" alt=\"recueil_de_chants_hebraiques_partition_jonas_redim.jpg\" width=\"300\" height=\"450\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/recueil_de_chants_hebraiques_partition_jonas_redim.jpg 300w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/recueil_de_chants_hebraiques_partition_jonas_redim-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Da er sich ihnen zugeh\u00f6rig f\u00fchlte und sich um die Bewahrung ihres musikalischen Erbes sorgte, ver\u00f6ffentlichte Jonas 1854 ein Werk namens <em>Recueil de Chants H\u00e9bra\u00efques\u00a0 \u00e0 l\u2019usage des Temples de Rite Portugais<\/em> (<em>Sammlung hebr\u00e4ischer Lieder f\u00fcr den Einsatz in den Tempeln des portugiesischen Ritus<\/em>), welches 39 liturgische Melodien \u2013 davon 24 eigene Kompositionen \u2013 enthielt, die haupts\u00e4chlich f\u00fcr Solisten und verschiedene Chorensembles, mit Orgel- und Harfenbegleitung, geschrieben worden sind. Als musikalischer Leiter trug Jonas entscheidend zur Ordnung und Feierlichkeit des Gottesdienstes bei, dessen Lieder, sich durch die Wechself\u00e4lle der Geschichte, entwickelten und ver\u00e4nderten. \u00c4hnliche Bem\u00fchungen wurden auch von angesehenen Komponisten oder Kantoren wie Hal\u00e9vy, Naumbourg, Lovy, Sulzer und Lewandowski angestrebt, um die liturgische Musik der einst deutschen Synagogen wiederzuentdecken, zu sammeln und zu verwenden, doch davon sp\u00e4ter mehr. 1886 ver\u00f6ffentlichte Jonas eine erweiterte Fassung seiner fr\u00fcheren Anthologie, unter dem Titel <em>Recueil de Chants H\u00e9bra\u00efques anciens et modernes ex\u00e9cut\u00e9s au temple de rite Portugais, r\u00e9unis et compos\u00e9s par Emile Jonas<\/em> (<em>Sammlung hebr\u00e4ischer Lieder f\u00fcr den Einsatz in den Tempeln des portugiesischen Ritus, zusammengestellt und komponiert von Emile Jonas), <\/em>erg\u00e4nzt durch Gesangs\u00fcbungen, Leitlinien der Auslegung, sowie \u00dcbungen zur Intonation und Chromatik. Gleichzeitig stellte er in verschiedenen Ver\u00f6ffentlichungen die Lieder zusammen, welche in den anderen, mehrheitlich aschkenasischen, Tempeln des Pariser Konsistorium gesungen wurden. Am 9. September 1874, wurde anl\u00e4sslich der Einweihung des Israelischen Konsistorialtempels von Paris (in der Rue de la Victoire), ein St\u00fcck f\u00fcr Bariton und Chor von Emile Jonas gespielt, welches auf Psalm 130 von K\u00f6nig David basierte und welches dieser eigens f\u00fcr diesen Anlass komponiert hatte.<\/p>\n<p>Im selben Jahr beeilte er sich, eine Sammlung von 21 Kompositionen verschiedener Autoren, zu ver\u00f6ffentlichen, welche bei den Hochzeitszeremonien der Gro\u00dfen Synagoge verwendet wurde. Im Jahr 1879 ver\u00f6ffentlichte er eine weitere Sammlung von 111 Seiten mit Musik f\u00fcr die Gottesdienste des Sabbats und alle j\u00fcdischen Feste, begleitet von Vokalisierungs\u00fcbungen, allgemeinen Empfehlungen f\u00fcr deren korrekte Ausf\u00fchrung und den wichtigsten Ma\u00dfnahmen zur Aufrechterhaltung der Tempelordnung.<\/p>\n<p>Unter dem Zweiten Kaiserreich entwickelte sich Paris zu einem pulsierenden Zentrum der Industrie, der Kultur und des Tourismus. Nach Paris kamen die gr\u00f6\u00dften K\u00fcnstler und Staatsoberh\u00e4upter der Welt, gefolgt von ihren entsprechenden H\u00f6fen. Man traf dort Gesch\u00e4ftsleute, Neureiche und Abenteurer an, welche kamen, um sich unterhalten zu lassen. Die Unterhaltungsindustrie erreichte ihren H\u00f6hepunkt und die Nachfrage war enorm. Die K\u00fcnstler gaben ihr Bestes, so auch Emile Jonas.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignright size-full wp-image-26365\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/le_canard_a_3_becs_redim.jpg\" alt=\"le_canard_a_3_becs_redim.jpg\" width=\"296\" height=\"450\" align=\"right\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/le_canard_a_3_becs_redim.jpg 296w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/le_canard_a_3_becs_redim-197x300.jpg 197w\" sizes=\"(max-width: 296px) 100vw, 296px\" \/><\/p>\n<p>Neben seinen anderen T\u00e4tigkeit, war auch sein theatralisches Werk nicht unbetr\u00e4chtlich. 1865 wurde in den Fantaisies-Parisiennes, seine Bouffe <em>Les Deux Arlequins, <\/em>zum ersten Mal und zwei Jahre sp\u00e4ter in London aufgef\u00fchrt. Im Dezember 1867, fand er, zwischen all seinen Engagements und im Klima des allgemeinen Wahnsinns, vor der Katastrophe von 1870, die Zeit <em>Marlbrough s&#8217;en va-t-en guerre <\/em>eine Bouffe in vier Akten und f\u00fcnf Szenen zu schreiben, welche in Zusammenarbeit mit Georges Bizet, Isidore Legouix und L\u00e9o Delibes entstand.\u00a0 Das St\u00fcck wurde am Th\u00e9\u00e2tre de l\u2019Ath\u00e9n\u00e9e aufgef\u00fchrt. 1869 pr\u00e4sentierte er sein bekanntestes und vielleicht auch erfolgreichstes St\u00fcck, die Bouffe <em>Le Canard \u00e0 Trois becs,<\/em> in drei Akten, auf ein Libretto von Jules Moinaux.<\/p>\n<p>1871, folgte auf den verh\u00e4ngnisvollen Krieg gegen Preu\u00dfen, die Belagerung von Paris, Hunger und Unruhen in der Commune. Theater blieben vor\u00fcbergehend geschlossen. Als sie dann wieder ge\u00f6ffnet wurden, lie\u00df das Publikum auf sich warten. Die Fr\u00f6hlichkeit vergangener Tage hatte sich gelegt. In diesem Jahr stellte Emile Jonas in London seine Oper <em>Javotte (Cinderella the Younger)<\/em> vor, welche der Meinung vieler zufolge, einen besonderen Platz, unter den vom Aschenputtel-M\u00e4rchen inspirierten, musikalischen Werken einnahm. In den Jahren 1873 und 1874 versuchte er sein Gl\u00fcck in Wien, wo er zwei seiner Opern zur Auff\u00fchrung brachte: <em>Goldchignon<\/em> und <em>Die Japanesin<\/em>. 1882 kehre er mit einer weiteren Bouffe in drei Akten auf die Pariser B\u00fchne zur\u00fcck: <em>La Bonne Aventure<\/em>, auf ein Libretto von Hector Cr\u00e9mieux, welches am Th\u00e9\u00e2tre de la Renaissance aufgef\u00fchrt wurde.\u00a0 1883 wurde <em>Le premier baiser,<\/em> am Th\u00e9\u00e2tre des Nouvaut\u00e9s aufgef\u00fchrt. Einige Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte er im Magazine des Demoiselles zwei nie aufgef\u00fchrte Werke: L<em>a princesse Kelebella<\/em> und <em>Miss Robinson<\/em>. Er gilt als der Urheber von <em>Estelle et N\u00e9mourin<\/em> und <em>Le Roi Midas<\/em>, welche nur im privaten Rahmen zur Auff\u00fchrung kamen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignleft size-full wp-image-26367\" src=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/tombe_emile_jonas__cimetiere_du_montparnasse_redim.jpg\" alt=\"tombe_emile_jonas__cimetiere_du_montparnasse_redim.jpg\" width=\"364\" height=\"300\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/tombe_emile_jonas__cimetiere_du_montparnasse_redim.jpg 364w, https:\/\/www.iemj.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/tombe_emile_jonas__cimetiere_du_montparnasse_redim-300x247.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/><\/p>\n<p>Emile Jonas starb am 21. Mai 1905 in Saint-Germain-en-Laye, der Stadt, in welcher der im Sterben liegende Offenbach, 1880 seine <em>Contes d\u2019Hoffmann <\/em>fertigstellte. Er ruht zu F\u00fc\u00dfen eines staatlichen Baums auf dem Cimeti\u00e8re du Montparnasse.<\/p>\n<p>In einigen Bibliotheken und Archiven verschiedener L\u00e4nder, finden sich Partituren f\u00fcr Klavier und Gesang von beinahe allen hier erw\u00e4hnten Werken, sowie einige Hefte, welche \u00fcber die wohl unwahrscheinlichsten Orten verstreut sind, wieder. Es war schwieriger, die Orchesterpartituren ausfindig zu machen. Der Gro\u00dfteil der Verlage, welche diese Werke herausgegeben hatten, existieren heute nicht mehr und die Verlage, welche ihr Material erworben haben, verf\u00fcgen \u00fcber keine umfassende Kenntnis ihrer Best\u00e4nde. Es ist daher zu hoffen, dass diese Verlage oder die eventuellen privaten Sammer, oder vielleicht auch Nachkommen, sich ein wenig M\u00fche geben m\u00f6gen, die Regale zu entstauben und diese vergessenen Partituren wieder zu entdecken. Nach intensiver, oft frustrierender und in den meisten F\u00e4llen auch erfolgloser Suche gelang es, das komplette Material von <em>Le Canard \u00e0 Trois Becs<\/em>, einem lobenswerten und unterhaltsamen Werk, ausfindig zu machen. Die Wiederbelebung dieses Werk, wird sicherlich eine Herausforderung sein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es heutzutage in Mode gekommen ist, vergessene Musik wieder aufleben zu lassen, sind die Bouffes Parisiens von Emile Jonas immer noch nicht vor dem Vergessen gerettet worden. Bisher kennen wir nur wenige, international produzierte Aufnahmen von f\u00fcr Saxofon und Blechblasinstrumente geschriebene St\u00fccke, w\u00e4hrend ein Teil seiner liturgischen Werke durch die Bem\u00fchungen privater j\u00fcdischer Institute, aufgenommen und nur in begrenztem Umfang gesendet wurde. In Ermangelung vollst\u00e4ndiger Orchesterpartituren konnte zumindest eine Auswahl seiner B\u00fchnenwerke, Lieder und Kammermusik mit Klavierbegleitung aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Emile Jonas verdient es nicht, vergessen zu werden.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung des Artikels von Jacobo Kaufmann \u201eEmile Jonas (1827-1905), from the Portuguese Synagogue to the Operetta, and from there to the Imperial Guard\u201d, welcher urspr\u00fcnglich auf Spanisch im Jahr 2009, in der Zeitschrift der j\u00fcdischen Kultur <em>Raices<\/em> in Madrid und wenig sp\u00e4ter auf Englisch in dem Online-Magazin <em>All About Jewish Theatre<\/em> in Israel, ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iemj.org\/de\/musique-synagogale-au-19e-siecle-emile-jonas-et-jules-erlanger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">H\u00f6ren Sie sich die Radiosendung mit Jacobo Kaufmann an: Musique synagogale au 19e si\u00e8cle &#8211; Emile Jonas und Jules Erlanger<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.iemj.org\/de\/jonas-emile-1827-1905\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Biografie von Emile Jonas ansehen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oft nimmt der Ruhm eines Komponisten nach dessen Tod langsam ab, bis er schlie\u00dflich in Vergessenheit ger\u00e4t. Das scheint besonders, wenn auch ungerechtfertigterweise, der Fall bei dem Komponisten Emile Jonas<\/p>\n","protected":false},"author":1045,"featured_media":73560,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1406],"tags":[],"technique":[],"squelettes":[],"sujet":[],"formation":[],"genre":[],"fonds":[],"tradition":[],"type-de-contenu":[],"interprete-compositeur":[],"frise":[],"type-devenement":[],"tableaux-liens-externes":[],"class_list":["post-73559","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-hintergrundartikel-de"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>EMILE JONAS (1827-1905), AUS DER PORTUGIESISCHEN SYNAGOGE ZUR OPERETTE UND VON DORT, ZUR KAISERLICHEN GARDE - Institut Europ\u00e9en des Musiques Juives<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.iemj.org\/de\/emile-jonas-1827-1905-de-la-synagogue-portugaise-a-la-garde-imperiale-en-passant-par-loperette\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"EMILE JONAS (1827-1905), AUS DER PORTUGIESISCHEN SYNAGOGE ZUR OPERETTE UND VON DORT, ZUR KAISERLICHEN GARDE - Institut Europ\u00e9en des Musiques Juives\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Oft nimmt der Ruhm eines Komponisten nach dessen Tod langsam ab, bis er schlie\u00dflich in Vergessenheit ger\u00e4t. 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