{"id":73590,"date":"2020-07-30T10:45:37","date_gmt":"2020-07-30T08:45:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iemj.org\/musiques-juives-en-france\/"},"modified":"2021-12-08T11:52:18","modified_gmt":"2021-12-08T10:52:18","slug":"musiques-juives-en-france","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iemj.org\/de\/musiques-juives-en-france\/","title":{"rendered":"J\u00dcDISCHE MUSIK IN FRANKREICH"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Geschichte von \u00fcber 20 Jahrhunderten<\/strong><br \/>\nDie Urspr\u00fcngeder j\u00fcdischen Gemeinschaft in Frankreich ist sehr alt. Im Jahr 6 n. Chr. lie\u00df sich Archelaus, Ethnarch von Jud\u00e4a, der vom r\u00f6mischen Kaiser Augustus verbannt wurde, in der Stadt Vienne (Is\u00e8re) nieder. Unter den Merowingerk\u00f6nigen siedelten sich j\u00fcdische Familien, in den franz\u00f6sischen Herrschaftsgebieten an. In den folgenden Jahrhunderten entwickelten sich diese zumeist kleinen Gemeinschaften, entweder weiter oder verschwanden.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Franz\u00f6sischen Revolution z\u00e4hlte die j\u00fcdische Gemeinschaft rund 40000 Mitglieder, welche vor allem in Elsass-Lothringen, im Comtat Venaissin und im S\u00fcdwesten Frankreich ans\u00e4ssig waren. Durch die Emanzipation wurde der franz\u00f6sische Judaismus, im Laufe des 19. Jahrhunderts durch Elemente aus Mitteleuropa und insbesondere aus Deutschland bereichert. Im Jahr 1880 f\u00fchrten die in Russland stattfindenden Pogrome, zur Auswanderung von polnischen, rum\u00e4nischen und russischen Juden nach Frankreich. Ab 1908 zogen Juden, welche aus den osmanischen L\u00e4ndern (vor allem aus Saloniki, Konstantinopel und Smyrna) stammten, durch Frankreich und lie\u00dfen sich dort teilweise auch nieder. Zwischen den beiden Kriegen, kamen in mehreren aufeinanderfolgenden Wellen mehr als 100000 Juden aus Italien, Mittel- und Osteuropa (Deutschland, \u00d6sterreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Russland, Polen, Ukraine, Lettland, Litauen\u2026) sowie sephardische Juden aus Griechenland und der T\u00fcrkei, nach Frankreich.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg, fand sich die j\u00fcdische Gemeinschaft stark geschw\u00e4cht wieder. Das Rabbinat war dezimiert worden und ebenso die religi\u00f6sen Praktiken. Die Ankunft von fast 200000 Juden aus Nordafrika zwischen 1956 und 1976, bedeutete f\u00fcr den franz\u00f6sischen Judaismus, eine religi\u00f6se wie auch kulturelle Wiederbelebung. Heute ist der franz\u00f6sische Judaismus \u00fcberaus vielgestaltig. Mit sch\u00e4tzungsweise rund 600000 Mitgliedern, handelt es sich um ein Mosaik von Gemeinschaften und Traditionen der unterschiedlichsten Herkunftsorten.<\/p>\n<p><strong>J\u00fcdische Musik oder Musik der Juden?<\/strong><br \/>\nSeit Ende des 19. Jahrhunderts, stellte Richard Wagner, ein bekannter Antisemit, fest, dass es nicht die eine j\u00fcdische Musik gibt, sondern nur Musik von Juden. Musikwissenschaftliche Studien haben in der Tat bewiesen, dass es keinen spezifischen einzigartigen j\u00fcdischen Musikcharakter gibt. 1957 definierte der Musikwissenschaftler Curt Sachs die j\u00fcdische Musik folgenderma\u00dfen: \u201eMusik, gespielt von Juden, f\u00fcr Juden, als Juden\u201c <span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_1');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_1');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_73590_1_1\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[1]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_1\" class=\"footnote_tooltip\">Definition von Curt Sachs, Congr\u00e8s mondial de Musiques juive (Sorbonne, 1957). Vgl. BAYER Bathja , Encyclopaedia Juda\u00efca, vol. 12, p. 555.<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_73590_1_1').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_1', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script>. Weiterhin gibt es heutzutage hervorragende Klezmer-Ensembles, wie <em>Die Goyim<\/em>, deren Name vorschl\u00e4gt, dass diese Art von Musik \u2013 welche von allen als j\u00fcdische Musik angesehen wird \u2013 durchaus auch von Nichtjuden f\u00fcr Nichtjuden, au\u00dferhalb eines j\u00fcdischen Umfelds gespielt werden kann.<\/p>\n<p>Es existieren also keine von Natur aus j\u00fcdischen Werke, sondern vielmehr Werke, welche in einem j\u00fcdischen religi\u00f6sen oder weltlichen Kontext aufgef\u00fchrt werden. Die zahllosen Adaptationen modischer Melodien (vom Liedchen bis zum klassischen Werk) in der Synagogenliturgie, zeugen davon, dass Musik nicht j\u00fcdisch entsteht, sondern durch das Umfeld j\u00fcdisch wird.<\/p>\n<p>Es kann sogar so weit gegangen werden zu sagen, dass j\u00fcdische Musik keine ausschlie\u00dflich j\u00fcdische Angelegenheit ist \u2013 und niemals war. Doch sie sch\u00f6pft aus der Ethnizit\u00e4t, d.h. sie l\u00e4sst sich von einer j\u00fcdischen Lebensweise inspirieren\u2026 die heute nicht mehr zwangsl\u00e4ufig existiert. Die Soziologin Barbara Kirshenblatt-Gimblett unterscheidet zwischen traditioneller und historischer Musik: \u201eIch verwende den Begriff \u201aMusikerbe\u2018, f\u00fcr die Unterscheidung zwischen Musik, welche ein integraler Bestandteil eines Lebensstil ist und Musik, die ausgew\u00e4hlt wurde, um sie zu bewahren, sch\u00fctzen und zu verehren, kurzum, ein \u201amusikalisches Erbe\u2018\u201c <span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_2');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_2');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_73590_1_2\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[2]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_2\" class=\"footnote_tooltip\">Vgl. KIRSHENBLATT-GIMBLETT Barbara, \u00ab La renaissance du klezmer : r\u00e9flexions sur un chronotope musical \u00bb, Cahiers de Litt\u00e9rature Orale, n\u00b044, 1998, pp. 232-233<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_73590_1_2').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_2', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script>.<\/p>\n<p>So spielen einige Berufsmusiker f\u00fcr ein neugieriges oder identit\u00e4tssuchendes Publikum Musik, bei welcher es sich mehr um Folklore der Erfahrung als um ein Traditionserbe handelt. Au\u00dferdem sind diese K\u00fcnstler nicht unbedingt auf eine einzige Tradition spezialisiert und z\u00f6gern auch nicht, sich leicht austauschbare Repertoires wieder anzueignen, indem sie beispielsweise jiddische Lieder mit jud\u00e4o-spanischer Musik verbinden.<\/p>\n<p>Heute quellen die Auslagen der Plattenl\u00e4den vor Referenzen aller Art \u00fcber, wobei das Schlechteste neben dem Besten steht; all diese Aufnahmen bezeugen eine wiedergewonnene Vitalit\u00e4t. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen und Konzerte der j\u00fcdischen Musik. Doch seit wann?<\/p>\n<p><strong>Die j\u00fcdische Musikpraxis in Frankreich: ein historischer \u00dcberblick<\/strong><br \/>\nSchon immer hat\u00a0es j\u00fcdisches Musik in Frankreich gegeben \u2013 egal ob es sich dabei um liturgische Lieder, Wiegenlieder, Beschneidungslieder, Arbeitslieder oder Hochzeitslieder handelt \u2013 doch die geringe Gr\u00f6\u00dfe der Gemeinschaften (welche oft nur wenige Familien umfasste), die Verfolgungen und Vertreibungen hatten zur Folge, dass diese Musik der m\u00fcndlichen Tradition in Vergessenheit geriet. Erst im 18. Jahrhundert und vor allem im 19. Jahrhundert wurde schlie\u00dflich mit der Notierung j\u00fcdischer Musik begonnen <span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_3');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_3');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_73590_1_3\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[3]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_3\" class=\"footnote_tooltip\">Vgl. ROTEN Herv\u00e9, Musiques liturgiques juives : parcours et escales, Coll. Musiques du monde, Cit\u00e9 de la Musique \/ Actes Sud, 1998, 167 p. et 1 CD<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_73590_1_3').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_3', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script>.<\/p>\n<p>Doch bereits seit Beginn des 17. Jahrhunderts, gab es in einigen westeurop\u00e4ischen Gemeinschaften eine Reformbewegung, welche darauf hinarbeitete, den Judaismus der Kunstmusik n\u00e4herzubringen: In Venedig ver\u00f6ffentlichte Salomone Rossi seine Salomonischen Ges\u00e4nge; in Amsterdam untermalten die Kantaten von Giusepe Lidarti und Abraham Caceres, den Glanz einer Gemeinschaft auf dem Zenit ihres Ruhms. In Frankreich ermutigte die Emanzipation von 1791 und die Konsistorialreform von 1808, die Juden des Comtat Venaissin, die Portugiesen im S\u00fcdwesten Frankreichs und die Aschkenasim, welche vor allem in Elsass-Lothringen ans\u00e4ssig waren, ihre traditionellen Lieder niederzuschreiben und eine polyphone Musik nach westlichem Vorbild zu entwickeln.<\/p>\n<p>Nach dem Vorbild des von Moses Mendelsohn vertretenen deutschen Reformgottesdienstes, wurde in den franz\u00f6sischen Konsistorialtempeln ein geregelter Gottesdienst eingef\u00fchrt, bei welchem der Kantor, begleitet von einem M\u00e4nner- und Kinderchor, feierlich das Gebet vortrug. Die Orgelbegleitung der Gottesdienste wurde 1844 offiziell eingef\u00fchrt und ab den 1920 wurden gemischte Ch\u00f6re eingef\u00fchrt. In Paris stellten vor allem die Konsistorialschulen die Kinderch\u00f6re, insbesondere die Sch\u00fcler der Ecole Lucien de Hirsch, welche lange Zeit im Chor der Synagoge der Rue Buffault sangen.<\/p>\n<p>In der Synagoge erhielten Komponisten wie Fromental Hal\u00e9vy (1799-1862), Charles Valentin Alkan (1813-1888) und Jacques Offenbach (1819-1880) ihre ersten musikalischen Anregungen. Doch aufgrund der Emanzipation, fand der Gro\u00dfteil ihres Schaffens, au\u00dferhalb des synagogalen Rahmens statt. Da die Synagoge nicht in der Lage war, ihre begabtesten Musiker zu halten, verlor sie allm\u00e4hlich ihre jungen Talente.<\/p>\n<p>Die Migrationsstr\u00f6me des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts brachten erhebliche Ver\u00e4nderungen, der j\u00fcdischen Musikpraxis in Frankreich mit sich. Juden aus Polen, Rum\u00e4nien, Russland, Italien, Deutschland, usw. sowie sephardischen Juden aus Griechenland und der T\u00fcrkei, lie\u00dfen sich in Frankreich nieder und brachten in ihrem Gep\u00e4ck ihre Herkunftskulturen mit. Unter den Migranten waren viele Musiker wie Joseph Kosma und Francis Lemarque, welche sich sehr f\u00fcr die Wiederbelebung des franz\u00f6sischen Chanson engagierten, welchen sie mit Elemente der osteurop\u00e4ischen Musik versahen. Zur selben Zeit schrieb Darius Milhaud, der stolz auf seine comtadinischen Wurzeln war, mehrere Werke synagogaler Musik (<em>Service sacr\u00e9, Ani maamin<\/em>). Auf der Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksformen schrieben nichtj\u00fcdische Komponisten \u2013 wie Max Bruch oder Maurice Ravel \u2013 Werke wie <em>Kol Nidrei, Kaddisch<\/em>, welche auf traditionellen j\u00fcdischen Melodien aufbauen und welche sie bereicherten, um ihnen eine universelle Dimension zu verleihen.<\/p>\n<p>In den 1920 wurde in den Textilwerkst\u00e4tten von Sentier Jiddisch gesprochen und gesungen. Dann, nach dem Zweiten Weltkrieg und der Ankunft von 200000 Juden aus Nordafrika zwischen 1956 und 1967 wich das Jiddische allm\u00e4hlich, zugunsten des jud\u00e4o-arabischen Gesangs. Ab 1968 lehnten die nordafrikanischen Juden, die konsistoriale musikalische \u00c4sthetik ab und bevorzugten stattdessen einen orthodoxeren Judaismus; die Orgelbegleitung des Gottesdienstes wurde aufgegeben, ebenso wie die gemischten Ch\u00f6re, welche allm\u00e4hlich aufgel\u00f6st wurden.<\/p>\n<p>Mit der Entfremdung der Gl\u00e4ubigen vom Gottesdienst und der Assimilierung sind die j\u00fcdischen Musikpraktiken im Niedergang begriffen. Doch in welcher Form finden wir diese musikalischen Praktiken heute wieder?<\/p>\n<p><strong>Die heutigen Praktiken<\/strong><br \/>\nDie j\u00fcdische musikalischenPraktiken spiegeln die multikulturelle Dimension des Judaismus wider. Vom synagogalen Kantillation zu der jiddischen Folklore, von orientalischen T\u00e4nzen, bis zum osteurop\u00e4ischer Klezmer \u2013 ein ungeschulter Zuh\u00f6rer mag angesichts der Heterogenit\u00e4t dieser musikalischen Praktiken etwas \u00fcberw\u00e4ltigt sein. Dennoch k\u00f6nnen sie in zwei Gattungen eingeteilt werden: einerseits religi\u00f6se Musik f\u00fcr den internen Gebrauch; andererseits weltliche Musik, welche aus der Ethnizit\u00e4t sch\u00f6pft.<\/p>\n<p><strong>1) Die religi\u00f6se Musik<\/strong><br \/>\nDie liturgische Musikstellt die Grundlage der j\u00fcdischen Musikpraxis dar. Der Gesang ist in der Synagoge und zu Hause allgegenw\u00e4rtig und bestimmt das Leben der Gl\u00e4ubigen. Ein religi\u00f6ser Jude geht dreimal am Tag in die Synagoge, um die vom Vater durch die m\u00fcndliche Tradition erlernten Melodien vorzutragen. J\u00fcdische Feiertage sind, je nach ihrer Bedeutung und Wichtigkeit innerhalb des j\u00fcdischen Kalenders, musikalisch mehr oder weniger stark musikalisch ausgeschm\u00fcckt.<\/p>\n<p>In zahlenm\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Gemeinschaften \u00fcbernehmen die Kantoren, neben den Rabbinern, den vokalen Teil des Gottesdienstes. Die Gemeinschaft antwortet ihnen, indem sie verschiedene Teile des Gebets. Unter den Gl\u00e4ubigen ist die Bedeutung des <em>Ba\u2018ale massore<\/em><span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_4');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_4');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_73590_1_4\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[4]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_4\" class=\"footnote_tooltip\">Wortw\u00f6rtlich: H\u00fcter der Tradition<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_73590_1_4').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_4', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script>, zu erw\u00e4hnen. Es handelt sich dabei um einen Gelehrten, der die Tradition auswendig kennt und der auf die Einhaltung der Riten und der in der Synagoge gesungenen Liedern, achtet. Es ist anzumerken, dass diese Traditionen, welche urspr\u00fcnglich im Wesentlichen m\u00fcndlich und monodisch waren, seit dem 19. Jahrhundert auch ein polyphones Chorrepertoire umfasst, welches manchmal auch \u00fcber Orgelbegleitung verf\u00fcgt, obwohl Musikinstrumenten in der Synagoge seit dem Fall des Tempels (70 n. Chr.) verboten sind <span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_5');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_5');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_73590_1_5\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[5]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_5\" class=\"footnote_tooltip\">Die einzige nennenswerte Ausnahme ist das Schofar, ein Widderhorn, welches vor allem anl\u00e4sslich von Neujahr (<em>Rosch ha-Schana<\/em>) und am Vers\u00f6hnungsfest (<em>Jom Kippur<\/em>) erklingt.<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_73590_1_5').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_5', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script>.<\/p>\n<p>Jede Synagoge besitzt ihren eigenen musikalischen Ritus. Dieser h\u00e4ngt vom Standort der Synagoge, der Aus\u00fcbung alter Traditionen und der Herkunft der Mehrheit der Gl\u00e4ubigen ab.\u00a0 So werden in einer homogenen Gemeinschaft, welche ausschlie\u00dflich aus tunesischen Juden besteht, die Gebete im tunesischen Ritus gesungen. In der Gro\u00dfen Synagoge von Paris, ist der Ritus allgemein aschkenasisch, doch die Melodien stammen dabei meist aus der konsistorialen Zeit\u2026 und sind damit weit entfernt von anderen Riten, wie etwa dem polnischen oder dem russischen Ritus. Einige Gemeinschaften \u2013 vor allem in St\u00e4dten mit einer geringen j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung \u2013 bringen Gl\u00e4ubige mit sehr unterschiedlichen Herkunftsorten zusammen. Es kommt somit zu einer Mischung von Melodien und Traditionen, je nach Einfluss und St\u00e4rke der verschiedenen Gruppen.<\/p>\n<p><strong>2) Die weltliche Musik<\/strong><br \/>\nEs existiert\u00a0&#8211; parallel zu dieser liturgischen Praxis \u2013 eine gemeinschaftliche musikalische Praxis. Diese beansprucht die j\u00fcdische Identit\u00e4t als Grundlage eines musikalischen Bewusstseins. So wird osteurop\u00e4ische (jiddische, chassidische), orientalische, jud\u00e4o-spanische Musik \u2013 welche einst im allt\u00e4glichen Leben gesungen wurde \u2013 verbunden, mit einer Diasporakultur, welche oft verschwundenen ist und die man versucht, wiederzubeleben. So lassen die Aschkenasim die Ges\u00e4nge der jiddischen Folklore wiederaufleben. Die Chassidim tanzen und bringen ihre Freude, zu Kl\u00e4ngen von Orchestern, zum Ausdruck, welche an die alten Instrumentalensembles Osteuropas (Klezmerim) erinnern. Auf \u00e4hnliche Weise, erz\u00e4hlen die alten jud\u00e4o-spanischen Romanzen und Wiegenlieder zu Gitarrenkl\u00e4ngen, die Geschichte des K\u00f6nigreichs von Salomon.<\/p>\n<p>Diese Praktiken finden in der Regel in Gemeindezentren, wie Fests\u00e4len, Konzerts\u00e4len oder auch in Theatercaf\u00e9s statt. Dabei ist der Gesang das vorherrschende Element, doch auch der Tanz, welcher die chassidische und israelische Folklore perpetuiert \u2013 spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Zur Begleitung der S\u00e4nger und T\u00e4nzer werden h\u00e4ufig Instrumente, wie Geige, Klarinette, Akkordeon oder Gitarre sowie verschiedene Arten von Schlaginstrumenten eingesetzt. Dennoch sind die verschiedenen Interpreten dieser Musik, oft nicht einer einzigen Tradition verschrieben. Sie z\u00f6gern nicht, sich leicht austauschbare Repertoires anzueignen, indem sie jiddische Lieder und jud\u00e4o-spanische Musik miteinander verbinden. Sie sch\u00f6pfen so aus einem enormen musikalischen Schatz, welcher auf den N\u00f6ten des j\u00fcdischen Volkes begr\u00fcndet ist und schaffen somit eine Art mythische Folklore.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich noch ein letzter Faktor der Neuheit: Seit einigen Jahrzehnten, wurden popul\u00e4re israelische Lieder und T\u00e4nze <span class=\"footnote_referrer\"><a role=\"button\" tabindex=\"0\" onclick=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_6');\" onkeypress=\"footnote_moveToReference_73590_1('footnote_plugin_reference_73590_1_6');\" ><sup id=\"footnote_plugin_tooltip_73590_1_6\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\">[6]<\/sup><\/a><span id=\"footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_6\" class=\"footnote_tooltip\">Wie beispielsweise die Hora, ein urspr\u00fcnglich aus Rum\u00e4nien stammender Tanz.<\/span><\/span><script type=\"text\/javascript\"> jQuery('#footnote_plugin_tooltip_73590_1_6').tooltip({ tip: '#footnote_plugin_tooltip_text_73590_1_6', tipClass: 'footnote_tooltip', effect: 'fade', predelay: 0, fadeInSpeed: 200, delay: 400, fadeOutSpeed: 200, position: 'top center', relative: true, offset: [-7, 0], });<\/script>, Teil des Repertoires der j\u00fcdischen Musiktradition in Frankreich. Diese Musik mit volkst\u00fcmlichen Charakter, schlie\u00dft alle Teilnehmer mit ein und wird in der Regel in Jugendbewegungen oder bei gro\u00dfen Familienfesten, wie Hochzeiten, Festen der religi\u00f6sen M\u00fcndigkeit (<em>Bar Mitzwa<\/em>) oder auch bei Beschneidungen, gespielt.<\/p>\n<p>Dieser kurze \u00dcberblick beweist die Lebendigkeit und Vielfalt der j\u00fcdischen Musikpraxis in Frankreich. Durch den Kontakt mit den umliegenden Gesellschaften wurde die j\u00fcdische Musik durch die verschiedenen Stilelemente bereichert: So treffen alte biblische Kantillationen auf mittelalterliche andalusische Poesien, osteurop\u00e4ische Melodien auf lyrische Kompositionen des 19. Jahrhunderts. In dieser Hinsicht ist die j\u00fcdische Musik ein Land der Fossilien, bestehend aus musikalischen Schichten aus verschiedenen Zeiten und Orten, ein lebendiges musikalisches Ged\u00e4chtnis der Menschheit. Dieses muss gesammelt, erforscht, gef\u00f6rdert und immer wieder neu geschaffen werden, insofern es nicht f\u00fcr immer verschwinden soll.<\/p>\n<div class=\"speaker-mute footnotes_reference_container\"> <div class=\"footnote_container_prepare\"><p><span role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"footnote_reference_container_label pointer\" onclick=\"footnote_expand_collapse_reference_container_73590_1();\">&#x202F;<\/span><span role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"footnote_reference_container_collapse_button\" style=\"display: none;\" onclick=\"footnote_expand_collapse_reference_container_73590_1();\">[<a id=\"footnote_reference_container_collapse_button_73590_1\">+<\/a>]<\/span><\/p><\/div> <div id=\"footnote_references_container_73590_1\" style=\"\"><table class=\"footnotes_table footnote-reference-container\"><caption class=\"accessibility\">References<\/caption> <tbody> \r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_73590_1('footnote_plugin_tooltip_73590_1_1');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_73590_1_1\" class=\"footnote_backlink\">1<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Definition von Curt Sachs, Congr\u00e8s mondial de Musiques juive (Sorbonne, 1957). Vgl. BAYER Bathja , Encyclopaedia Juda\u00efca, vol. 12, p. 555.<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_73590_1('footnote_plugin_tooltip_73590_1_2');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_73590_1_2\" class=\"footnote_backlink\">2<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Vgl. KIRSHENBLATT-GIMBLETT Barbara, \u00ab La renaissance du klezmer : r\u00e9flexions sur un chronotope musical \u00bb, Cahiers de Litt\u00e9rature Orale, n\u00b044, 1998, pp. 232-233<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_73590_1('footnote_plugin_tooltip_73590_1_3');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_73590_1_3\" class=\"footnote_backlink\">3<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Vgl. ROTEN Herv\u00e9, Musiques liturgiques juives : parcours et escales, Coll. Musiques du monde, Cit\u00e9 de la Musique \/ Actes Sud, 1998, 167 p. et 1 CD<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_73590_1('footnote_plugin_tooltip_73590_1_4');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_73590_1_4\" class=\"footnote_backlink\">4<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Wortw\u00f6rtlich: H\u00fcter der Tradition<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_73590_1('footnote_plugin_tooltip_73590_1_5');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_73590_1_5\" class=\"footnote_backlink\">5<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Die einzige nennenswerte Ausnahme ist das Schofar, ein Widderhorn, welches vor allem anl\u00e4sslich von Neujahr (<em>Rosch ha-Schana<\/em>) und am Vers\u00f6hnungsfest (<em>Jom Kippur<\/em>) erklingt.<\/td><\/tr>\r\n\r\n<tr class=\"footnotes_plugin_reference_row\"> <th scope=\"row\" class=\"footnote_plugin_index_combi pointer\"  onclick=\"footnote_moveToAnchor_73590_1('footnote_plugin_tooltip_73590_1_6');\"><a id=\"footnote_plugin_reference_73590_1_6\" class=\"footnote_backlink\">6<\/a><\/th> <td class=\"footnote_plugin_text\">Wie beispielsweise die Hora, ein urspr\u00fcnglich aus Rum\u00e4nien stammender Tanz.<\/td><\/tr>\r\n\r\n <\/tbody> <\/table> <\/div><\/div><script type=\"text\/javascript\"> function footnote_expand_reference_container_73590_1() { jQuery('#footnote_references_container_73590_1').show(); jQuery('#footnote_reference_container_collapse_button_73590_1').text('\u2212'); } function footnote_collapse_reference_container_73590_1() { jQuery('#footnote_references_container_73590_1').hide(); jQuery('#footnote_reference_container_collapse_button_73590_1').text('+'); } function footnote_expand_collapse_reference_container_73590_1() { if (jQuery('#footnote_references_container_73590_1').is(':hidden')) { footnote_expand_reference_container_73590_1(); } else { footnote_collapse_reference_container_73590_1(); } } function footnote_moveToReference_73590_1(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container_73590_1(); var l_obj_Target = jQuery('#' + p_str_TargetID); if (l_obj_Target.length) { jQuery( 'html, body' ).delay( 0 ); jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight * 0.2 }, 380); } } function footnote_moveToAnchor_73590_1(p_str_TargetID) { footnote_expand_reference_container_73590_1(); var l_obj_Target = jQuery('#' + p_str_TargetID); if (l_obj_Target.length) { jQuery( 'html, body' ).delay( 0 ); jQuery('html, body').animate({ scrollTop: l_obj_Target.offset().top - window.innerHeight * 0.2 }, 380); } }<\/script>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Geschichte von \u00fcber 20 Jahrhunderten Die Urspr\u00fcngeder j\u00fcdischen Gemeinschaft in Frankreich ist sehr alt. 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