
Von Hervé Roten
Mario Castelnuovo-Tedesco wurde am 3. April 1895 in Florenz in eine sephardisch-jüdische Familie geboren. Er erhielt Klavierunterricht von seiner Mutter und komponierte bereits im Alter von neun Jahren. Zwischen 1909 und 1918 studierte er Klavier am Musikinstitut Cherubini in Florenz bei Edgardo Del Valle de Paz, anschließend Komposition an der Musikhochschule in Bologna bei Ildebrando Pizzeti. Ab den 1920er Jahren war er intensiv als Pianist, Komponist, aber auch als Musikkritiker tätig. Seine Kompositionen werden in ganz Europa aufgeführt.

Sein erstes großes Werk – „La Mandragola“, eine komische Oper nach dem Stück von Machiavelli, die 1926 an der Fenice in Venedig uraufgeführt wurde – wurde mit dem Preis des Concorso Lirico Nazionale ausgezeichnet. Im Jahr 1932 regte ihn seine Begegnung mit dem spanischen Gitarristen Andrés Segovia dazu an, seine ersten Werke für die Gitarre zu schreiben („Variazioni attraverso i secoli“, Gitarrenkonzert Nr. 1 usw.), die zu seinem Lieblingsinstrument werden sollte. Insgesamt komponierte er fast hundert Stücke für dieses Instrument.
Eine weitere inspirationsquelle ist seine jüdische Identität. Viele Jahre nach dem Tod seines Großvaters mütterlicherseits entdeckte er ein kleines Notizbuch, in dem dieser mehrere hebräische Gebete musikalisch notiert hatte. Diese Entdeckung, die nach seinen eigenen Worten „eines der tiefsten Erlebnisse meines Lebens … ein kostbares Erbe“, inspirierte seine erste jüdische Komposition, die hebräische Rhapsodie „Le Danze del Re David“ für Soloklavier (1925), sowie zahlreiche weitere Werke wie „Trois chorals sur une mélodie hébraïque“ (1926), „Chant hébraïque: Vocalise (1928), sein zweites Violinkonzert „Profeti” (1931), geschrieben als Hommage an Jascha Heifetz, zwei „Lecho dodi” (1936 und 1943), zwei „Kol Nidrei” (1941 und 1942), einen „Sacred service for the Sabbath Eve” (1943), „Naomi and Ruth“ (1947), „Three Sephardic Songs“ (1949), „The Book of Jonah“ (1951), „Songs of the Shulamite“ (1953), „The Book of Proverbs“ (1953), „The Stories of Joseph“ (1955), „The Song of Songs“ (1955), „Saùl“ – biblische Oper in drei Akten (1958–60; nicht aufgeführt), „The Book of Esther“ (1962) sowie „Prayers My Grandfather Wrote“ (1962).

Es war jedoch auch seine jüdische Herkunft, die ihn 1939 dazu zwang, Italien zu verlassen und in die Vereinigten Staaten zu fliehen, um der antisemitischen Politik des Mussolini-Regimes zu entkommen. Er ließ sich in Hollywood nieder, wo er am Konservatorium von Los Angeles unterrichtete und die Musik für mehr als zweihundert Filme komponierte. Der Stil seiner Musik, der als progressiv, postimpressionistisch, neoromantisch oder auch neoklassisch beschrieben wird, prägte zahlreiche Hollywood-Komponisten, darunter insbesondere Henry Mancini, Jerry Goldsmith, Nelson Riddle, John Williams und André Previn.
Mario Castelnuovo-Tedesco starb am 16. März 1968 in Beverly Hills, Kalifornien.
Quellen:
- Wikipedia https://fr.wikipedia.org/wiki/Mario_Castelnuovo-Tedesco
- Neil Lewin, Milken Archive https://www.milkenarchive.org/artists/view/mario-castelnuovo-tedesco/
- Website Mario Castelnuovo-Tedesco https://mariocastelnuovotedesco.com/#




