
Der Dirigent und Komponist Amaury du Closel gründete unter anderem das Forum Voix Etouffées und setzte sich unermüdlich für die Wiederbelebung der Musik von Künstlern ein, die vom Nazi-Regime und anderen totalitären Regimes verfolgt wurden
Amaury du Closel, im Herzen Wiener, wurde am 6. Februar 1956 in Saint-Cloud geboren.
Er studierte Komposition bei Max Deutsch, Dirigieren am Königlichen Konservatorium in Mons bei Alexandre Myrat und besuchte Meisterkurse in Wien bei Karl Oesterreicher und Sir Charles Mackerras. In der Saison 1984/85 war er stellvertretender Dirigent des Orchestre symphonique et lyrique de Nancy. 1985 gewann er den 2. Internationalen Dirigentenwettbewerb „Masterplayers” in Lugano.
Der Dirigent Amaury du Closel hat mehr als 80 Ensembles in Europa und Asien geleitet. Allein in der Saison 2022-23 trat er im Concertgebouw in Amsterdam und in der Berliner Philharmonie mit den Berliner Symphonikern auf, tourte durch zahlreiche europäische Länder (Italien, Deutschland, Österreich, Litauen) und nahm an mehreren Festivals teil, darunter Les Folles Journées de Nantes und das Festival de la Chaise-Dieu.
2018 gründete er das französische Orchester Les Métamorphoses, mit dem er fast 120 Aufführungen gab, darunter neue Produktionen wie La Traviata von Giuseppe Verdi oder Die Hochzeit des Figaro von Mozart, in Zusammenarbeit mit der Operngesellschaft Opéra Nomade, deren musikalischer Leiter er seit 2000 ist.

Neben seiner Karriere als Dirigent ist Amaury du Closel auch als Komponist tätig: Sein Werkverzeichnis umfasst rund dreißig Opusse, darunter Orchesterwerke, verschiedene Kammermusikstücke und Melodien. Eines seiner Werke, Nahem, das 2008 vom Klangforum Wien uraufgeführt wurde, ist eine Hommage an die Opfer des Holocaust, deren Andenken er im Bereich der Musik unermüdlich zu bewahren sucht.
Er komponierte auch die Musik für die Stummfilme La Dixième Symphonie von Abel Gance und Michel Strogoff von V. Tourjansky. Sein letztes Stück, Stolpersteine, komponiert im Jahr 2021, erscheint 2023 auf CD (Music & Politics, KMI).
Schließlich veröffentlichte er als Musikwissenschaftler veröffentlichte er 2005 Les Voix étouffées du Troisième Reich (Die erstickten Stimmen des Dritten Reiches) im Verlag Actes Sud, das vom Syndicat de la critique musicale (Verband der Musikkritiker) als bester Essay ausgezeichnet wurde und für das er 2005 mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Bundesrepublik Österreich und 2021 mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde. Dieses Engagement schlug sich im selben Jahr in der Gründung des Forum Voix Etouffées nieder, einer Einrichtung, die sich für die Erinnerung an Komponisten und Musiker einsetzt, die im 20. Jahrhundert Opfer des europäischen Totalitarismus, allen voran der nationalsozialistischen Barbarei, wurden.
Das Forum Voix Etouffées wurde 2009 von der Europäischen Kommission für seine hervorragende Erinnerungsarbeit mit dem Golden Star Award ausgezeichnet und ist bis heute eines der wichtigsten Projekte des CERV-Programms (Programm der Europäischen Kommission „Bürger, Gleichheit, Rechte und Werte”), dessen einer Schwerpunkt der Kampf gegen Diskriminierung ist.
Es sei darauf hingewiesen, dass das Engagement von Amaury du Closel für die Wiederentdeckung dieser Komponisten insbesondere in einem Konzert in Auschwitz im April 2009 zum Ausdruck kam, das Anlass für den Dokumentarfilm „Élégies d’Auschwitz” (Elegien von Auschwitz) des Regisseurs Frédéric Cristea war.
Amaury du Closel verstarb am 7. Oktober 2024 in Le Puy-en-Velay.
Quellen:
- Forum Voix Etouffées
- https://www.radiofrance.fr/francemusique/mort-d-amaury-du-closel-passeur-des-compositeurs-persecutes-et-oublies-9239910
- https://symetrie.com/fr/auteurs/amaury.du_closel



