Jonas, Émile (1827-1905)

von Hervé Roten

Émile Jonas wurde am 5. März 1827 in Paris, als Sohn von Simon Jonas und Jeanette Pohl geboren. Im Jahr 1841, begann er im Alter von 14 Jahren, das Conservatoire von Paris zu besuchen, um dort Klavier, Harmonie (in der Klasse von Félix Le Couppey) und Komposition (in der Klasse von Michel Carafa) zu studieren. Im Jahr 1847 gewann er den ersten Preis in Harmonie des Conservatoire und im Jahr 1849, den zweiten Prix de Rome, mit seiner Kantate Antonio [1]. Parallel zu seiner Tätigkeit als Musikdirektor der Kaisergarde (für welche er zahlreiche Märsche und Stücke für Militärkapellen komponierte), war er von 1847 bis 1870, als Lehrer am Conservatoire tätig. Zunächst unterrichtete er Musiktheorie und dann ab 1859, Komposition.

Auf Empfehlung von Fromental Halévy, bot er 1851 dem Pariser Konsistorium seine Dienste, als Organist der Synagoge der Rue Notre-Dame-de-Nazareth, an. Diese bestand ursprünglich aus einem aschkenasischen und einen sephardischen Gebetsraum. Ab 1854 war er als Organist und Chorleiter in der Synagoge des portugiesischen Ritus, in der Rue Lamartine, tätig. Im selben Jahr veröffentlichte er eine Sammlung hebräischer Lieder (Recueil des chants hébraïques anciens et modernes exécutés au Temple du rite [sic] portugais de Paris), bestehend aus 39 liturgischen Stücken für Solisten, Chor, Orgel und Harfe, darunter 24 seiner eigenen Kompositionen. 1886 erschien eine erweiterte Ausgabe unter dem Titel Chants hébraïques exécutés au Temple consistoriaux et au Temple du rite portugais de Paris, begleitet von Interpretationsempfehlungen und Übungen. Sein Psaume 130, für Bariton und Chor, sowie das Gebet Vayehi binsoa, welches die Entnahme der Thorarollen aus dem Thoraschrein begleitet, wurden bei der Einweihung des Tempels in der Rue de la Victoire, am 9. September 1874 aufgeführt. Im selben Jahr veröffentliche er einen Band, mit 21 Kompositionen verschiedener Komponisten, für die in dieser Synagoge stattfindenden Hochzeiten. Im Jahr 1879 veröffentlichte er einen weiteren Band mit Sabbatmusik.

Parallel zu seiner liturgischen Karriere, war er ein vielschaffender Komponist von zwanzig Opere buffe, von denen einige großen Erfolg hatten. Er war in den Pariser Theatern (später auch in den Theatern Frankreichs und Europas), neben den bekanntesten französischen Komponisten, wie Delibes, Messager oder Offenbach der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vertreten. Offenbach war ein Freund und Mentor von Emile Jonas und noch dazu einer der besten Librettisten seiner Zeit, der sechs seiner Werke produzierte: Die einaktigen Opere buffe: La Parade (1856), Le Roi boit (1857), Les Petits Prodiges (1857), für welche Offenbach mindestens zwei Nummern beisteuerte, Job et son chien (1863), Le manoir des Larénardière (1864), Avant la noce (1865) und Désiré, sire de Champigny (1869).

1867 wurde er Teil des Organisationskomitees, welches die Militärparaden für die unvergessliche Weltausstellung von 1867 organisierte, welche von Napoleon III. und Kaiserin Eugénie eröffnet wurde. Einhellig wurde er sowohl für seine künstlerischen Errungenschaften als auch für sein Engagement und sein Organisationstalent geschätzt. Émile Jonas war Mitglied in vielen Vorständen von Autoren- und Kompositionsgesellschaften. Er verkehrte mit Persönlichkeiten, wie Bizet, Gounod, Labiche, Sardou und Alexandre Dumas Junior. Er wurde erst zum Ritter, später dann zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.

Er starb am 21. Mai 1905 in Saint-Germaine-en-Laye und ruht seitdem auf dem Friedhof von Montparnasse in Paris. Sein Werk ist unglücklicherweise in Vergessenheit geraten…

 

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Lesen Sie den Artikel von Jacobo Kaufmann: Emile Jonas (1827-1905), From the Portuguese Synagogue to the Operetta, and from there to the Imperial Guard

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