Wagner antisémite

Von Jean-Jacques Nattiez

Christian Bourgeois Editeur, 05-11-2015, 708 S.

Kann die Größe eines der bemerkenswertesten Musiker der westlichen Welt Positionen entschuldigen, die zu den abscheulichsten gehören, die es gibt? Und vor allem: Kann sie es rechtfertigen, dass sie ignoriert werden?

Ihre Manifestationen stehen leider außer Frage: in seinem Essay „Das Judentum in der Musik“ (1850) oder in anderen Schriften, von denen hier neue Übersetzungen sowie ein bisher unveröffentlichtes Werk auf Französisch zu finden sind. Aber kann man sagen, dass die Libretti und sogar die Musik seiner Opern antisemitisch sind? Wagners Antisemitismus ist in der Fachliteratur ein zumindest umstrittenes Thema, das hier kritisch und polemisch beleuchtet wird, wobei biografische Untersuchungen, allgemeine Geschichte, Geschichte des Antisemitismus, Musikgeschichte, Musikwissenschaft, Semiologie, Psychoanalyse und Ästhetik eine Rolle spielen.

Und wie lässt sich das erklären? Weil er selbst Jude gewesen wäre? Viele seiner Zeitgenossen glaubten dies, wie die umfangreiche Sammlung von Karikaturen des Komponisten belegt, die in diesem Buch zusammengestellt wurde. Am Ende einer sorgfältigen Prüfung müssen unbequeme Fragen gestellt werden: Sollte man die Aufführung oder Darstellung von Wagners Opern verbieten? Sollte Bayreuth geschlossen werden?

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