Nehama-Lifshitz-Fonds

Nehama (auch Nechama) Lifshitz wurde am 7. Oktober 1927 in Kaunas, Litauen, in eine zionistisch gesinnte jüdische Familie geboren, die der Kultur und insbesondere der Musik eng verbunden war. Sie gilt als eine der großen jiddischen Stimmen des 20. Jahrhunderts. Während des Zweiten Weltkriegs floh sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Usbekistan. Nach dem Krieg begann sie ein Musikstudium am Konservatorium von Vilnius. Mit ihrer außergewöhnlichen Sopranstimme startete sie schnell eine Karriere als Solosängerin.

Ab 1956 begann sie, auf Jiddisch zu singen. Diese künstlerische Entscheidung hatte im sowjetischen Kontext, in dem der öffentliche Ausdruck jüdischer Kultur stark eingeschränkt war, eine besondere Bedeutung. Als Symbolfigur der jiddischen Kultur und des jiddischen Liedes wurde Nehama Lifshitz zu einer Leitfigur für die sowjetischen Juden. Durch ihre Musik brachte sie ihre Verbundenheit mit ihrer Identität und ihren Wunsch nach Auswanderung nach Israel zum Ausdruck. 1964 begann sie, auf der Bühne offen auf Hebräisch zu singen, bevor sie sich 1969 endgültig in Israel niederließ.

In ihrer neuen Heimat setzte sie ihre künstlerische Tätigkeit fort und trug durch ihre Interpretationen von Liedern auf Jiddisch und Hebräisch zur Bereicherung des israelischen Musikrepertoires bei. Sie sang auch Lieder, die mit den jüdischen Dissidenten der Sowjetunion in Verbindung standen, insbesondere mit den „Gefangenen von Zion“ und den Refusniks. Ihr Engagement für die jiddische Kultur setzte sie auch im pädagogischen Bereich fort. So gründete sie 1998 einen Workshop für jiddischen Gesang und jiddische Poesie, um dieses Erbe an die jüngeren Generationen weiterzugeben.

Nehama Lifshitz widmete ihr Leben der Bewahrung und Weitergabe der jiddischen Kultur, deren Spuren die totalitären Regime des 20. Jahrhunderts zu tilgen versuchten. Sie verstarb am 21. April 2017.

Ihr Archiv, das im März 2026 von ihrer Tochter Roza Litay dem IEMJ geschenkt wurde, umfasst hauptsächlich Fotos und andere autobiografische Dokumente und zeugt von der Rolle, die Nehama Lifschitz bei der Weitergabe des jiddischen Liedes in Osteuropa und später in Israel spielte.

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