Juifs et Trouvères

Sammlung des Musikerbes FranzözischerJuden, vol. 12

Jüdische Lieder aus dem 13. Jahrhundert auf Altfranzösisch und Hebräisch

Lesen Sie hier zwei Presseartikel über die CD (auf Französisch): Choc de Classica – 5 diapasons

Diese 12. CD der Sammlung des Musikerbes französischer Juden widmet sich religiöser und festlicher Lieder der jüdischen Gemeinschaft, die sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Norden Frankreichs (Flandern, Picardie, Artois, Champagne…) niedergelassen hat.

In dieser schwierigen Zeit, zwischen der Talmudverbrennung (1242-1244) und der großen Vertreibung von 1306, teilten die Juden, Alltagsleben und Sprache der Christen. Sie teilten überdies den gleichen Geschmack für Bücher, Denkmäler, Stadt- und Jahrmarktsgeräusche, Lebenslust und Volkslieder.

Die Lieder der jüdischen Gemeinschaften der Epoche spiegelten somit tatsächlich das jüdische Alltagsleben und sowie darin vorkommende fröhliche und tragische Ereignisse wider. Es handelt sich um den verstimmlichten Ausdruck einer Bevölkerung, die ihre Riten und Traditionen bewahrte, sich aber dennoch auch vollkommen in ihr Umfeld integriert hatte und sich in Langue d’oïl (eine Gruppe romanischer Sprache, die größtenteils im Gebiet nördlich der Loire gesprochen wird) ausdrückte. In hebräischer Sprache blieben lediglich Gebete und liturgische Gedichte, sowie das Studium.

In den überlieferten Büchern und Manuskripten, sind alle Gedichte auf Französisch wie auch auf Hebräisch, in hebräischer Schrift (der einzigen Schrift, die Juden gelehrt wurde) verfasst. Bekannt sind die Namen vieler Gedichtautoren, jedoch nicht die Namen jener, welche die Gedichte in Langue d’oïl übertrugen. Dank der Arbeit von Romanistikforschern, wie David Simon Blondheim und Raphael Loewe, ist bekannt, dass die Melodien dieser Gedichte, denen der Trouvères (nordfranzösischer Dichter und Sänger des 12. und 13. Jahrhunderts), nachempfunden waren. Über Jahrhunderte hinweg hatte die jüdische Poesie auf diese Art neue Texte an altbekannte Melodien angepasst. Die Neumenschrift war, mit Ausnahme von Obadja dem Proselyten, den Juden nicht bekannt. Es kam aber dennoch vor, dass der Verfasser auf das Manuskript, den Liedtitel der verwendeten Melodie, notierte. Im Falle der hier vorgestellten CD, sind es allerdings nur zwei Stücke, deren Manuskripte eindeutig die Melodien angeben, auf die der Text gesungen wurde. Die restlichen Melodien mussten also erst (wieder)gefunden werden…

Colette Sirat, Judith Olszowy-Schlanger und Brigitte Lesne mussten daher eine umfassende literarische und musikalische Studie der Paläographie betreiben, um die genaue zeitliche Abfolge der Quellen und ihrer Abschriften bestimmen zu können. Auf diese Weise konnte schließlich, die Versionen der Lieder auf Hebräisch und in Langue d’oïl rekonstruiert werden.

Das musikalische Resultat ist eindrucksvoll. Aus den jahrhundertelangen Manuskriptseiten entspringt die Musik einer bunten, lauten und sinnlichen Welt, in der die Juden ihren Glauben, ihren Schmerz und ihre Freude ausdrückten. Eine Welt, die nach der endgültigen Vertreibung der Juden aus Frankreich im Jahre 1394 verschwand und die diese CD, glücklicherweise wieder zum Leben erweckt.

Kaufen Sie die CD im Onlineshop des IEMJ

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Sehen Sie einen Ausschnitt aus dem Konzert – piyyut Shalfu tzarim

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