Offenbach, Isaac (1779-1850)

Von Jacob Kaufmann*

Isaac Offenbach wurde am 26. Oktober 1779 in Offenbach-am-Main, in der Nähe von Frankfurt, geboren. Sein Vater, Juda Eberstadt, war ein sogenannter Schutzjude und verfügte als ein solcher, über eine landesherrliche Duldung und Aufenthaltserlaubnis. Seine Mutter hieß Terz (Tirza auf Hebräisch). Isaac verlor seine Eltern, als er noch ein Kind war; wahrscheinlich kam er daraufhin, in die Obhut von Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft. Man kann annehmen, dass Isaac etwa zwischen seinem 15. und 20. Lebensjahr die ersten Gesangsfähigkeiten und musikalischen Kenntnisse erworben hat, als er ein Trio von umherreisenden Hazzanim (Kantoren) begleitete, welches seine Dienste den verschiedenen Gemeinschaften anboten.

1799 erhielt er eine Genehmigung für das „Spielen von Musik in Synagogen“. In diesem Jahr komponierte er die ersten liturgischen Stücke, die uns heute bekannt sind. Im Jahr 1802 kam er nach Deutz, eine Stadt gegenüber von Köln. Dort begann er, seinen Lebensunterhalt bei jüdischen Gottesdiensten und als Geiger in den Tanzsalons und Kneipen zu verdienen. In Deutz, wo er den Spitznamen „der Offenbacher“ erhielt, schrieb er weiterhin liturgische Musik und machte die Bekanntschaft der angesehensten jüdischen Familien, darunter die Rindskopfs, deren Tochter Marianne (Miriam) er heiratete.

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Nach dem napoleonischen Dekret von 1808 änderte er seinen Familiennamen, von Eberst in Offenbach. Nach mehreren Jahren in Deutz, ließ sich das junge Paar in Köln nieder wo, nach der Vertreibung der Juden im 15. Jahrhundert, seit Beginn des 19. Jahrhunderts eine neue jüdische Gemeinschaft entstand. Isaac lebte in einem bescheidenen Haus am Griechenmarkt und verdiente seinen Lebensunterhalt als Geigen-, Flöten-, Gitarren- und Gesangslehrer und komponierte weiterhin, doch nicht nur liturgische Musik, wie seine Douze sonatines pour la guitare belegen, welche zur damaligen Zeit entstanden sind. Um 1820 begann Isaac mit seiner schönen Tenorstimme, im Rahmen der Gottesdienste der örtlichen jüdischen Gemeinschaft, zu singen. Nach einigen Jahren, wurde er der dauerhafte Hazan der Gemeinschaft und die Familie – Isaac, Marianne und ihre neun Kinder – zog in ein, neben der Synagoge und der jüdischen Schule gelegenes, bescheidenes Haus. 30 Jahre lang komponierte er liturgische Stücke für den Sabbat und die jüdischen Festtagsgebete. Am 29. Januar 1833 veröffentlichte Isaac Offenbach das Pourim-Shpil, ein musikalisches Theaterstück mit dem Untertitel Esther, reine de Perse ou Les Israélites ont échappé à la vengeance de Haman (Esther, die Königin Persiens oder die Israeliten, die der Rache des Haman entkommen waren).

Im November desselben Jahres kam Issac, gemeinsam mit seinen Söhnen Jacques und Jules, nach Paris. Er selbst sang zweimal vor, um Hazan der Synagoge in der Rue de Nazareth zu werden. Sein Sohn Jacques wurde am Conservatoire angenommen und besuchte die Cello-Klasse, während Jules Geigenstunden von Paganini erhielt. Die beiden Brüder wurden vom Konsistorium, für sechs Monate als Chorleiter der Synagoge engagiert. Zurück in Köln, setzte Isaac die Komposition religiöser Stücke im aschkenasischen Ritus fort.  Besorgt von dem schleichenden Verschwinden des Hebräischen sowie dem zunehmenden Niedergang des jüdischen Wissens unter den jüngeren Gemeindemitgliedern, veröffentlichte er im Jahr 1838 das einstimmig anerkannte Werk Hagadah oder die Erzählung von Israels Auszug aus Egypten und im Jahr 1839 einen Sidur mit deutschen poetischen Übersetzungen unter dem Titel Allgemeines Gebetbuch für die israelitische Jugend.

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Im selben Jahr veröffentlichte er einen Tausendjährigen Kalender von 1700 bis 2700 und Bände deutscher Lieder. Trotz seiner Trauer über den Tod seiner Frau Marianne und seiner Kinder Thérèse und Michel, komponierte er weiterhin liturgische Stücke und Purim-Lieder. Im Jahr 1848 schrieb er das Humoristische Gedicht eines polnischen Mocher Seforim als Kritik an der reformjüdischen Bewegung. Im darauffolgenden Jahr, wieder zu Purim, schrieb er das Humoristische Gedicht eines Antiquitätenhändlers. Nach dreißig Jahren als Gottesdienstvorsteher der Kölner Gemeinschaft, starb Isaac Offenbach am 26. April 1850, im Alter von 71 Jahren.

Der Großteil seiner musikalischen und literarischen Werke wurden von seinen Enkelinnen dem Jewish Institute of Religion von New York übergeben und einige Dokumente sind auch in der Birnbaum-Sammlung am Hebrew Union College in Cincinnati sowie in der Nationalbibliothek Israels in Jerusalem erhalten. Die gesamte Dokumentation umfasst rund 20 Faszikel und Ordner, an kantoralen Kompositionen und Notationen traditioneller Melodien. Diese Manuskripte zeugen von dem, in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Deutschland, vertretenen synagogalen Stil, welcher von Emanzipation und dem Einfluss der westlichen Kunstmusik geprägt war.

*Textauszug aus der CD Jacques Offenbach et ses proches – de la synagogue à l’opéra, Collection Classiques vol. 6, Les Editions de l’IEMJ, 2019.

Hören Sie sich Auszüge der CD Jacques Offenbach et ses proches – de la synagogue à l’opéra an

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