Offenbach, Jacques (1819-1880)

Jacob Offenbach wurde am 20. Juni 1819 in Köln geboren. Er ist der Sohn von Isaac Eberst (1779-1850), einem Musiker und Synagogenkantoren. Isaac Offenbach stammte ursprünglich aus Offenbach am Main und nahm um 1810 den Familiennamen Offenbach an, nach der Verabschiedung des napoleonischen Dekrets vom 28. Juli 1808, das alle Juden des Reichs dazu verpflichtete, einen „festen Namen“ anzunehmen, um die Volkszählung, sowie die Führung des Personenstandes zu erleichtern.

Jacob Offenbach (der sich später in Jacques umbenannte) komponierte seit seinem neunten Lebensjahr. Als Cellist und talentierter Musiker wurde er mit 14 Jahren, gemeinsam mit seinem Bruder Julius, an das Conservatoire de Musique von Paris geschickt. Parallel dazu wurde Jacques Offenbach am 1. Dezember 1833 mit „der Ausbildung und Leitung des Chors“ der Synagoge Notre-Dame de Nazareth in Paris beauftragt, einen Posten, welchen er nur sechs Monate lang innehatte und welchen er infolge einer Auseinandersetzung mit den rabbinischen Autoritäten der Synagoge, welche ihm vorgeworfen hatten, am Sabbat in einem Orchester gespielt zu haben, verlor.

Nach einem Jahr am Conservatoire, sah sich Offenbach, dessen Verhalten als zu undiszipliniert angesehen wurde, gezwungen das Conservatoire zu verlassen. Anschließend wurde er Mitglied des Orchesters der Opéra Comique und wurde von Jacques F. Halévy entdeckt, einem Komponisten, welcher ihn unterrichtete. In der Zwischenzeit wurde er bekannter. Er komponierte einige Bühnenmusikstücke für die Opéra Comique und gab ab 1839 Cello-Konzerte.

Er machte sich mit leichten Melodien einen Namen und wurde 1847 Musikdirektor der Comédie Française. Er eiferte Rossini und Mozart nach und war der Schöpfer der französischen Opera buffa [*]. Acht Jahre später beschloss er ein Theater zu eröffnen, um dort seine eigenen Stücke aufzuführen: das Théâtres des Bouffes-Parisiens wurde 1855 eingeweiht. Dort wurde auch erfolgreich Offenbachs erste Opera buffa, Orphée aux Enfers (1858) aufgeführt. Seine folgenden Opern (La Grande-Duchesse de Gérolstein, La Vie parisienne, Les Brigands) wurden ebenso gut aufgenommen. Die auch als „kaiserliche Ära“ bezeichnete Periode, in welcher Offenbach innerhalb von fünfzehn Jahren, zu einer der wichtigsten Figuren geworden war, wurde durch den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 jäh unterbrochen. Stets auf den Geschmack des Publikums bedacht, wandte sich Offenbach also erst der Märchenoper (Le Roi Carotte) und dann der patriotischen Oper (La Fille du Tambour-Major) zu.

Offenbach starb wenige Monate vor der Uraufführung der Oper, die ihm die ersehnte Anerkennung bringen sollte, Les Contes d’Hoffmann – eine der meistgespielten französischen Opern unserer Zeit.

Jacques Offenbach ist der Urheber einiger Synagogenlieder (Ashamnou, Tavo lefanecha…), welche er anlässlich von Besuchen bei seinem Vater in Köln komponierte [**]. Im Alter von 16 Jahren schrieb er auch eine Walzersuite, über israelitische Motive des fünfzehnten Jahrhunderts, mit dem Titel Rébecca (1837, unveröffentlicht).


[*]Opera buffa : Wie die komische Oper und die Operette, besteht auch die Opera Buffa aus einer Abfolge von gesungenen Szenen und gesprochenen Dialogen. Während die komische Oper mit „ernsten“ Themen und die Operette, sich mit eher sentimentalen Themen beschäftigt, ist die Opera Buffa ausschließlich „bouffon“, parodistisch und satirisch, heiter und sarkastisch. Dieses Genre wurde insbesondere von Francis Poulenc (1899-1963) mit Les Mamelles de Tirésias wiederbelebt.
[**] Die beiden Lieder sind enthalten auf der 1997 erschienen CD Gesänge aus der Synagoge / Chants of the synagogue, Vol. 2 Koch Schwann Aulos.

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