Jiddische Musik in Pariser Kabaretts der Nachkriegszeit

22. April 2017, Zentrum Medem-Arbeter-Ring

Gefilmte Konferenz im Rahmen der ersten Ausgabe von “Campus en musique” des Zentrums Medem-Arbeter Ring zum Thema jiddische Kabarettmusik im Paris der Nachkriegszeit, geleitet von Hervé Roten, Direktor des Europäischen Instituts für Jüdische Musik, und David Winter, Großneffe des Sängers Dave Cash

In der unmittelbaren Nachkriegszeit versuchten die Juden, sich sowohl individuell als auch kollektiv wieder aufzubauen. Paris wurde zum Kristallisationspunkt der Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des jüdischen Lebens in Europa und diente gleichzeitig als Durchgangs- oder Anknüpfungspunkt für Überlebende auf der Suche nach einer neuen Heimat. Eine Vielzahl von Strukturen organisierte das kulturelle Leben: jüdische Gesellschaften, Theater, aber auch Cafés und Kabaretts wie das La Riviera von Bernard Potock und Dave Cash, der Habibi Club von Sigmunt Berland (ehemals Petit Rancho) oder das tanzende Kabarett Le Zodiac. Anfang der 1960er Jahre eröffnete Dave Cash das Cabaret Bagatelle in der Rue de Clichy 29. Einige Jahre später zog er nach Pigalle und gründete das Le Cabaret Yiddish, das in den 1970er Jahren wegen mangelnder Kundschaft geschlossen wurde.

Fotos, Plakate, Zeitungsartikel und zahlreiche 78er und 33er Schallplatten bewahrten die Spuren dieser glanzvollen Ära des jüdischen Kabaretts. Zwischen 1948 und 1953 nahm das Label Elesdisc so mindestens 154 Titel auf, gesungen von großen Künstlern, wie Henri Gerro, Dave Cash, Sarah Gorby, Richard Inger, Elvira Bozkowska, Simon Nussbaum oder Max Neufeld.

2015 veröffentlichte der Verlag des Institut Européen des Musiques juives eine 6 CDs umfassende Box, welche mehr als 120 Chansons umfasst, die von der kreativen Atmosphäre des jüdischen Kabaretts der Nachkriegszeit zeugen. Es handelt sich dabei, um eine eigenwillige Mischung aus Folklore und Samba, nostalgischen Tangos und satirischen Swings, die von den Künstlern ebenso auf Jiddisch, wie auch auf Russisch, Hebräisch und sogar auf Rumänisch gesungen wurde.

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Sehen Sie sich das Video an: Jüdische Musik im Paris der Nachkriegszeit

Produzent: Les Editions de l’IEMJ
Mit dem Beitrag von : Eléonore Biezunski, Léa Couderc, Hervé Roten

Sehen Sie die Konferenz (auf Französisch) Jiddische Musik in den Pariser Kabaretts der Nachkriegszeit

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