LA HORA

Auch wenn die Hora oft als der israelische Volkstanz schlechthin angesehen wird, war die Hora (auch „rumänische Hora“, „Zhok“, „Londre“, „Volakh“ oder „Krimer“ genannt) doch ursprünglich ein langsamer Tanz, welcher in Rumänien (Moldawien, Bessarabien, Bukowina) und in einigen ukrainischen Regionen, von Juden wie auch von Nicht-Juden, getanzt wurde.

Sie wurde entweder im Kreis oder in einer Reihe getanzt, auf einen dreitaktigen Rhythmus (3/8 oder 3/4), mit einer Betonung des ersten und des dritten Schlags. Der erste Schlag war kurz und der dritte lang, was dein Eindruck eines unregelmäßigen und hinkenden Rhythmus erzeugt.horarythm.jpg

 

Getanzt wurden die Horas anlässlich von Paraden oder informeller Prozessionen, um etwa das Gehen der Gäste oder der Schwiegereltern am Ende einer Hochzeit zu markieren (wie etwa bei den Stücken Firn di mekhutonim aheym, Gasn nigun)…

Firn di Mekhutonim Aheym (AUSZUG) – Naftule Brandwein with Abe Schwartz Orchestra

 

Der Gasn Nigun (AUSZUG) – Klezmokum

 

Die israelische Hora hat nichts mit der rumänischen Hora zu tun. Sie basiert auf einem binären und synkopierten Rhythmus (2/4 oder 4/4) und ähnelt damit eher dem Bulgar, einem lebhaften Kreis-, Reihen- oder Paartanz. Getanzt wird diese Hora auf einem Rhythmus, welcher dem Freylekh ähnelt, welcher wiederum unter den Juden Rumäniens und des Südens der Ukraine, im 19. Jahrhundert aufkam und dann in die Vereinigten Staaten exportiert wurde, wo der Tanz in den 1920er und in den 1930er Jahren sehr beliebt wurde (Siehe Michel Borzykowskis Artikel über die Tänze der Klezmer).

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Eine Hora im Kibbuz Ein Harod, 1936

Yohanan Boehm zufolge (Encyclopaedia Judaica 8, p.971), leite sich der Begriff “Hora“ vom altgriechischen „choros“ ab, was so viel wie „Tanz“ bedeutet. Die Hora soll von rumänischen Juden, während der zweiten Alija (1904-1914), nach Palästina gebracht worden sein. Während der dritten Alija (1919-1923), florierte der Tanz und erreichte während der vierten Alija (1924-1931) seine Blütezeit. Dieser kollektive Tanz wurde sehr schnell in den Kibbuzim und kleineren Gemeinschaften beliebt, wo er dazu beitrug, das Bild einer entstehenden Nation zu erzeugen, in welcher sich alle Teilnehmer, Arm in Arm, in einem kollektiven und freudigen Schwung drehen. Deshalb ist die Hora, als ein Symbol der nationalen Erneuerung und des kollektiven Aufbaus einer israelischen Identität, zu verstehen.

Die israelischen Pioniere (Chaluzim) „tanzten die Hora in den schwierigsten Momenten, nach Kämpfen, nach dem Erklimmen hoher Berge“, erläutert Dan Ronen, Theaterspezialist. Egal aus welchem Land der Diaspora man stammte, konnte man durch den Tanz der Hora, dennoch Teil der israelischen Gesellschaft werden. Die Hora bot somit die Möglichkeit, den Enthusiasmus für den gemeinsamen Aufbau des Landes zum Ausdruck zu bringen. Die Hora war eine Weise, diese Freude am gemeinsamen Tanzen in unserem neuen Vaterland, zu feiern (R. Sturman, in Ingber, 1974: 16).

Heute wird die Hora in Israel noch immer getanzt, besonders anlässlich von Hochzeiten und manchmal sogar in Fernsehsendungen. Doch paradoxerweise, hat sie unter den Juden der Diaspora – wo sie regelmäßig bei Bar-Mizwas, Hochzeiten und anderen Gemeindefesten zum Einsatz kommt – eher ihren Symbolcharakter beibehalten, als in Israel, wo die Hora mit der Zeit, ein Volkstanz von vielen wurde.

Prinzip der Hora :

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Israelisches Ensemble: Hora Jerusalem

Die Hora kann auf viele traditionelle Lieder der Klezmer und der israelischen Folklore (wie das berühmte Lied Hava Nagila) getanzt werden. Der Tanz beginnt im Kreis, dieser kann sich dabei aber auch öffnen und in einer Reihe getanzt werden. Die Tänzer halten sich an den Händen, machen dabei vorwärts oder rückwärts diagonale Schritte und drehen sich dabei im Kreis, meist im Uhrzeigersinn. Die Teilnehmenden singen alle den Text des Liedes und werden dabei von Musikern begleitet. Cymbalom, Akkordeon, Violine, Bratsche, Kontrabass, Saxofon, Trompete und Panflöte sind Instrumente, welche traditionell die Hora begleiten…

 

Hören Sie sich die Playlist an: La hora en musique
Schau dir die Plattenbox an : “So We Dance, les danses folkloriques israéliennes”

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