Abbina-Diena-Fonds

Jüdische Musik Italiens

In dem Bestreben, den italienischen Judaismus und seine bisher relativ unbekannten musikalischen Traditionen bekannt zu machen, hat der aus Turin stammende Gianni Diena dem Institut Européen des Musiques Juives mehrere Dokumente anvertraut: CDs, Partituren und Bücher, welche eine bereits bestehende Sammlung italienisch-jüdischer Musikarchive bereichern, die insbesondere aus der Barockzeit (Salomone Rossi und Lidarti) stammt.

Diese Dokumente, teilweise in italienischer Sprache, teilweise aber auch auf Englisch oder auf Hebräisch, zeugen von dem Reichtum der italienischen Musiktraditionen, die eng mit der Geschichte der jüdischen auf der transalpinen Halbinsel lebenden Gemeinschaften, verbunden sind.

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Der Ursprung der italienischen Juden ist überaus vielfältig. Enzo Scotto meint, „Manche Juden stammen von den Juden ab, die bereits zu Zeiten des Römischen Reichs in Italien lebten. Andere sind aschkenasische Juden, die besonders im 14. Jahrhundert Deutschland und Frankreich verließen. Im Laufe des Jahrhunderts verließen die französischen Juden [vor allem die provenzalischen] Frankreich. Am Ende des fünfzehnten und im Laufe des 16. Jahrhunderts kam es zur sephardischen Auswanderung aus Spanien und zur Rückbekehrung der spanischstämmigen Marranen zum Judaismus. (…) In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wurden anderen Juden aus muslimischen Ländern, von dem neuen Freihafen von Livorno angezogen wurden, einer Stadt, in der Juden, über zwei Jahrhunderte hinweg, besser lebten als anderswo.“ (Siehe „Les Juifs d’Italie“ – Israël Magazine, 14. Februar 2016)

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Die Sammlung des Abbina-Diena Fonds besteht aus vielfältigen Veröffentlichungen, welche die verschiedenen jüdischen, synagogalen und weltlichen Musikpraktiken Italiens, insbesondere des 19. Jahrhunderts, behandeln. Manche Werke, wie etwa Musiche della tradizione ebraica in Piemento – Le registrazioni di Leo Levi (1954) / Franco Segre – 2015, handeln von den regionalen Besonderheiten; andere von besonderen Thematiken, wie der jüdischen Mystik (Musica e canto nella mistica ebraica / Enrico Fubini – 2012).

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Außerdem besteht diese Sammlung auch aus CDs, welche die Geschichte und die musikalische Traditionen des jüdischen Volks in Italien illustrieren, wie etwa die CD Chatan Ve KaIlah – Il matrimonio ebraico a Roma / Coro Ha-Kol über die jüdische Hochzeitszeremonie in Italien.

Schließlich sind in der Sammlung auch zeitgenössische Musikstücke enthalten, darunter eine handschriftliche Partitur der Kammermusik für Sopran, Darsteller und fünf Instrumente, geschrieben für Gilberto Bosco, namens „Il gioco delle sorti“, über Esther und das Purim-Fest (begleitet von einer CD).

Diese Archive sind ab sofort im Katalog der Sammlungen (auf den Abbina-Diena Fonds zugreifen) oder auf Terminanfrage am Institut Européen des musiques Juives (contact@iemj.org) einsehbar.

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