SABBATLIEDER

Der Sabbat ist ein Ruhetag und eine Institution des jüdischen Lebens. Die Lieder, welche diesen besonderen Tag untermalen, spielen dabei eine wichtige Rolle, in der Synagoge wie auch zu Hause.

Der hebräischen Bibel zufolge, erschuf Gott den Himmel und die Erde in sechs Tagen und ruhte am siebten. Dieser siebte Tag wurde gesegnet, heiliggesprochen und zum Ruhetag erklärt (Exodus 20:8-11). In der jüdischen Tradition beginnt der Sabbat, der siebte Tag der Woche, am Freitag mit Sonnenuntergang und endet am Samstagabend mit dem Erscheinen dreier Sterne, rund vierzig Minuten nach Einbruch der Dämmerung.

Das Wort „Shabbat“ (auf Hebräisch: שבת) leitet sich vom hebräischen Shev (שב) oder Lashevet (לשבת) ab, was so viel wie „sich setzen“ bedeutet. Bei dem Sabbat handelt es sich also um einen Tag der Ruhe, fernab von Zeit und materiellen Zwängen, ein Tag, an dem nur das Nötigste getan werden soll, um sich auf das Wesentliche zu besinnen: die Familie und geteilte Momente, wie Mahlzeiten, das Gebet oder das Studium der Torah.

Die Lieder sind ein wichtiger Bestandteil von Sabbatritualen, wie dem Kerzenanzünden, dem Kiddusch (der Segnung des Weins) am Freitagabend, der Birkat Hamason (Tischgebet, das nach dem Essen einer Mahlzeit gesprochen wird), der Hawdala (der letzte sogenannte Kiddusch, ein Segensspruch, welcher den Sabbat abschließt). Der Gesang ist darüber hinaus, auch bei den fünf Gottesdiensten und den vier Sabbatmahlzeiten allgegenwärtig.

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Die Sabbatbegrüßung (Kabbalat shabbat) beginnt freitags vor Einbruch der Dunkelheit mit Hymnen wie Ana Bekoa’h (ein Gebet, welches der Talmud Rabbi Nechunia ben Hakanah zuschreibt), Lecha dodi (welches man dem Kabbalisten Rabbi Salomon Halevi Akabetz zuschreibt) oder dem Hohelied (Shir hashirim). Die Pijjutim Shalom aleichem und Eshet hayil (Sprichwörter 31:10-31) werden zu Hause vor dem freitagabendlichen Kiddusch gesungen. Zur Einleitung des abendlichen Gebets werden die Psalmen 92 und 93 gesungen. Das von Israel Najara (1555-1628) geschriebene Gedicht Ya ribon wiederum wird während dem freitagabendlichen Essen gesungen.

Chalom alechem – Benjamin Hervé Houzy (Auszug)

 

Echet Hayil – Philippe Darmon (Auszug)

 

Ya ribon – Yehoram Gaon (Auszug)

 

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Der Samstagmorgen-Gottesdienst ist besonders lang, da er neben den gewöhnlichen Gebeten, auch Pijjutim (El Adon, La-El barouch), die Lesung der Tora und der Haftarah umfasst, worauf das Musaf-Gebet folgt. Das Mincha genannte Nachmittagsgebet wird gegen Spätnachmittag vor der dritten Mahlzeit gesungen. Darauf folgt das Motzei Shabbat, das Abendgebet, welches die Sabbatruhe beendet.

El Adon – Gilles Dorai (Auszug)

 

juifs_yemenites.jpgWährend der Sabbatmahlzeiten, welche sich durch eine Fülle an Essen auszeichnen, werden üblicherweise Zemirot (bei den Chassidim auch Tish nigunim genannt) angestimmt. Es handeln sich dabei um religiöse Gedichte wie Deror Yikra, Ki eshmera shabbat (Text von Abraham Ibn Ezra, einem der ergiebigsten und brillantesten Schriftsteller und Dichter des spanischen Goldenen Zeitalters des 12. Jahrhunderts) oder Yedid nefesh, welches traditionell gegen Spätnachmittag, während der dritten Sabbatmahlzeit (Seouda Shelishit) gesungen wird. Das Sabbatende wird auch von Liedern wie Hamavdil ben kodesh lekhol, Elyaou hanavi und Laner velivsamim begleitet, letzteres wird insbesondere von jemenitischen Juden gesungen.

 

Deror Yikra – SabbatLieder (Auszug)

 

Ki eshmera shabbat – Ouriel Elbilia (Auszug)

 

Yedid nefesh – Duo Reim (Auszug)

 

Laner Velivsamim (Jemenitische Luft) – Ofra Haza (Auszug)

 

Schließlich ist zu beachten, dass Melodie und manchmal auch Text der religiösen Poesie, je nach Herkunft der Gläubigen variieren kann. Demnach wird das Pijjut Lekha dodi, welches den Sabbatbeginn markiert, in allen jüdischen Gemeinschaften, auf hunderte verschiedene Melodien gesungen. Die Musik erweist sich daher als Identitätsmerkmal, ein Symbol des Zusammenhalts und manchmal auch der Unstimmigkeit, wenn etwa der Kantor, der Rabbiner oder der Vorbeter beschließt, ohne das Wissen der Gläubigen, die traditionelle Gebetsmelodie der Gemeinschaft zu verändern.

Lekha Dodi (Medley aus sephardischen Liedern) – Itsik Eshel

 

Anhören:
Sabbatlieder im aschkenasischen Ritus Westeuropas
Sabbatlieder im marokkanischen Ritus
Sabbatlieder im algerischen Ritus
Sabbatlieder im italienischen Ritus
Sabbatlieder im tunesischen Ritus
Sabbatlieder im aschkenasischen Ritus Osteuropa
Sabbatlieder im Comtadiner und im portugiesischen Ritus
Chassidische Sabbatlieder
Sabbatlieder im äthiopischen Ritus

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